Kürbisse, Geister, Monster, Zombies – in Kürze steht Halloween vor der Tür. Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin Jana Reinhardt wollte uns eigentlich passend dazu die letzte Staffel des beliebten Zombiespiels "The Walking Dead" vorstellen. Jetzt sind aber nicht nur die Zombies, sondern auch die Firma dahinter untot: Telltale musste Insolvenz anmelden.

In einer postapokalyptischen Welt kämpfen die übrig gebliebenen Menschen nicht nur gegen Zombies, sondern auch gegen den Verlust ihrer Menschlichkeit. Im August und September sind die ersten beiden Folgen von The Walking Dead - The Final Season erschienen. Wenig später waren sie dann aber wieder aus dem Onlineshop verschwunden. 

"Plötzlich sind nicht nur die Zombies untot, sondern auch die Firma selbst, die das Game produziert."
Jana Reinhard, Deutschlandfunk-Nova-Gameexpertin

Ende September hat das Entwicklerstudio Telltale Insolvenz angemeldet und auf einen Schlag, ohne Vorankündigung, fast die gesamte Belegschaft von 250 Mitarbeitern auf die Straße gesetzt. Nur 25 Mitarbeiter sitzen dort noch im Studio und beenden ein anderes Spiel, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin Jana Reinhard.

Zukunft von Telltale ist offen

Besonders heikel ist das, weil Telltale-Spiele wie Fernsehserien episodisch erscheinen. Der Käufer bezahlt einmal die komplette Staffel und bekommt dann einmal im Monat eine neue Episode. Zwei Folgen der "Final Season" sind schon erschienen. Wann der Rest kommt, ist unklar.

Bei dem Adventure muss man nicht nur Zombies abmurksen, sondern es gibt viele spannende Figuren, die nie nur schwarz oder weiß gezeichnet sind, sondern die menschlichen Abgründe in allen Facetten offen legen. Genau das ist die Qualität von "The Walking Dead", sagt Jana.

"The Walking Dead verzichtet auf blöde Kombinationsrätsel und erzählt dafür eine packende, düstere Geschichte. Mit Figuren, die uns wirklich nahe gehen."
Jana Reinhard, Deutschlandfunk-Nova-Gameexpertin

Eine gute Geschichte mit Figuren, die einem wirklich nahegehen. "The Walking Dead" zeige, was moderne Adventures können sollten, sagt Jana. Die Hauptfigur ist Clementine, die wir von einem kleinen unsicheren Mädchen am Beginn der Zombieapokalypse bis hin zum toughen Teenager über vier Staffeln begleitet haben. Sie kümmert sich um den kleinen AJ, der das Leben vor der Apokalypse nicht mehr kennt.

Staffel 1 mit guten Verkaufszahlen

Die erste Staffel wurde vor sechs Jahren über 28 Millionen mal verkauft, berichtet Jana Reinhard. Für ein Adventure-Game, also ein Genre, das immer wieder genauso totgesagt wird wie Zombies, sei das richtig beeindruckend.

"Telltale hat die Adventure-Games revolutioniert."
Jana Reinhard, Deutschlandfunk-Nova-Gameexpertin

Das Studio Telltale wurde vor 13 Jahren von ehemaligen Lucas-Arts-Angestellten gegründet. Die Programmierer und Designer haben sich dann als Telltale auch tatsächlich alte Lucas-Arts-Titel wie "Sam & Max" oder "Monkey Island" vorgeknöpft und daraus moderne 3D-Adventures gemacht. Selbst erdachte Welten waren nie die Stärke von Telltale. Sie haben sich immer große Namen eingekauft, die vor allem im TV funktionieren, wie zum Beispiel "The Walking Dead", "Game of Thrones", "Minecraft" oder "Batman".

Kleines Studio, das immer größer wurde

Bei der ersten Staffel von "The Walking Dead" war Telltale noch ein verhältnismäßig kleines Studio mit etwas mehr als 60 Mitarbeitern, berichtet Jana. Danach sind sie relativ schnell gewachsen, haben viele Lizenzen gekauft und mehr Leute eingestellt. In ihrer besten Zeit haben bei Telltale an die 400 Leute gearbeitet. Es tauchten aber auch immer mehr Berichte von Mitarbeitern auf, dass das Management neue Ideen unterdrückt.

Vergangenes Jahr hat Telltale schon mal 90 Leute entlassen, damals wurde das noch als "Restrukturierung" angekündigt. Durch Interviews mit den ehemaligen Mitarbeitern wurde auch bekannt, dass Telltale systematisch Crunch einkalkuliert: also dass Überstunden an der Tagesordnung waren. Das lag auch am neuen Episodenformat: Wenn ständig neue Episoden geliefert werden müssen, dann gibt es keine Verschnaufpause mehr.

Entlassung über Nacht

Die Massenentlassung Ende September war jetzt aber besonders krass, sagt Jana. Einige Mitarbeiter wurden nämlich quasi über Nacht vor die Tür gesetzt. Einige von denen, die entlassen wurden, hatten noch bis drei Uhr nachts gearbeitet. Am nächsten Tag haben sie dann urplötzlich erfahren, dass sie noch eine halbe Stunde haben, um ihren Schreibtisch zu räumen. Abfindung? Ebenfalls Fehlanzeige. Der Grafiker Brandon Cebenka schrieb auf Twitter Folgendes: 

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Auch die Telltale-Autorin Emily Grace Buck packte aus:

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In der Game-Industrie ist es durchaus üblich, dass große Firmen den Marktdruck an ihre Mitarbeiter weitergeben, Überstunden fest einplanen und enthusiastische Einsteiger ausbeuten, sagt Jana Reinhard. Auch Mitarbeiter untereinander machen sich Druck. In der Medienwirtschaft sehe es nicht unbedingt nach Passion aus, wenn du nach acht Stunden pünktlich den Rechner herunterfährst, sagt Jana.

Inzwischen rotten sich einige der ehemaligen Telltale-Mitarbeiter für eine Sammelklage zusammen, berichtet Jana. Denn laut amerikanischem Arbeitsrecht darf eine Firma mit mehr als 100 Mitarbeitern nicht ohne Vorankündigung mal eben mehr als 50 Mitarbeiter feuern, ohne ihnen 60 Tage vorher Bescheid zu geben.

Reihe "The Walking Dead" wird zu Ende geführt

Die gute Nachricht für die Fans von "The Walking Dead": "The Final Season" wird beendet. Vor wenigen Tagen gab der Entwickler Skybound Games bekannt, dass die beiden letzten Episoden der finalen Staffel von ihnen fertiggestellt werden. Dafür will Skybound Games auch so viele ehemalige Telltale Mitarbeiter einstellen wie möglich. Schließlich seien die komplett ins Thema eingearbeitet.

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