Der Trend von Tiny Houses kommt auch bei uns immer mehr an. Und damit auch die Frage: Sind Tiny Houses auch nachhaltiger als konventionelle Wohnformen?

Max, 35, lebt seit knapp drei Jahren auf 28 Quadratmetern. Das tut er aber nicht alleine in einer WG in der Stadt, sondern in einem Tiny House im Osten Brandenburgs. Und das zusammen mit seiner Freundin Noreen, der gemeinsamen zweijährigen Tochter und an den Wochenenden auch mit der vierjährigen Tochter aus einer früheren Beziehung.

Eine Familie steht vor ihrem Tiny House
© Max Watzlawek
Max, Noreen und die gemeinsame Tochter vor ihrem Tiny House

Die kleine Familie möchte ihr Leben im Tiny House nicht missen. Viele Freunde dagegen finden die Idee zwar spannend, würden es selbst aber nie umsetzen, berichtet Max.

"Wir möchten es nicht missen und auch die Erfahrungen, die wir hier gemacht haben. Auch wenn es sich nicht viele vorstellen können."
Max, lebt seit fast drei Jahren in einem Tiny House

Dennoch zeigt sich auch bei uns in Deutschland: Der Trend der Tiny Houses aus den USA wird auch bei uns eine immer beliebtere Wohnform. In Dortmund soll deshalb beispielsweise auch bald eine der ersten Tiny-House-Siedlungen Deutschlands entstehen.

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Effektiv Wohnraum nutzen

Die Idee zum Tiny House hatten Max und seine Freundin, als sie noch in ihrer alten 80 Quadratmeter großen Zwei-Zimmer-Wohnung in Berlin gewohnt haben. Irgendwann hätten sie bemerkt, dass sie eigentlich nur das Wohnzimmer als Wohnraum benutzen - das Schlafzimmer dagegen kaum.

Nachdem sie damals für eine Nacht in einem Tiny House einer Freundin übernachtet hatten, war ihnen nach einer Flasche Wein klar: "Lass uns auch ein Tiny House bauen", erinnert sich Max.

"Wir haben irgendwann im Laufe des einen Jahres, wo wir insgesamt drin gelebt haben, halt dann irgendwann gemerkt, dass wir eher nur ein Zimmer bewohnen im Alltag."
Max, lebt seit fast drei Jahren in einem Tiny House

Klar, wer sich entscheidet, in einem Tiny House zu leben, muss sich erst mal von vielen Dingen trennen. Doch bieten Tiny Houses oft für die kleine Größe erstaunlich viel. So auch das Häuschen von Max: Es hat ein kleines Badezimmer, sogar eine Mini-Badewanne, eine Küchenzeile und in der oberen Etage eine kleine Empore zum Schlafen.

Ein Tiny House von Innen
© Max Watzlawek
Das Tiny House von Max und Noreen von Innen

Darunter befindet sich noch das Wohnzimmer mit einer kleinen Couch. Geheizt und gekocht wird mit einer Gastherme. Der Strom kommt unter anderem von einer eigenen Solaranlage. Oft seien Bekannte oder Freundinnen sehr überrascht, wie viel Platz ein Tiny House bietet, wenn sie das erste Mal reinkommen, sagt Max.

"Jeder, der hier schon mal bei uns zu Gast war, auch enge Freunde oder die Familie, sind das erste Mal reingekommen und haben gesagt: Wow, ist doch viel größer, als es von außen aussieht."
Max, lebt seit fast drei Jahren in einem Tiny House

Tiny-House-Siedlungen als neue Wohnviertel

Bisher sind Tiny Houses in Deutschland aber immer noch eine Ausnahme. Das liegt auch daran, dass es gar nicht so leicht ist, ein passendes Grundstück zu finden. Denn auch für ein Tiny House braucht es in Deutschland eine Baugenehmigung, wenn man sich an einem Ort längerfristig niederlassen möchte.

Die meisten Städte und Gemeinden sind in ihrer Bau-Bürokratie allerdings sehr stark auf klassische Ein- oder Mehrfamilienhäuser ausgerichtet. Der Stadtplaner Gerald Kampert will das – zumindest für seine Stadt Dortmund – ändern. Er plant eine der ersten Tiny-House-Siedlungen Deutschlands. Interessenten gebe es genug, sagt Gerald Kamper.

Die Häuser sollen fest im Boden verbaut werden und zudem etwas größer sein als andere Tiny Houses. 45 Quadratmeter für eine Person, 60 Quadratmeter für ein Pärchen und 90 Quadratmeter für eine Familie mit zwei Kindern.

Nachhaltigkeit: Tiny-House vs. Einfamilienhaus

Fans des Tiny-House-Konzeptes argumentieren häufig auch mit dem Thema Nachhaltigkeit: Weniger Platz sei gleich weniger Heizenergie und weniger Materialverbraucht gleich weniger CO2-Ausstoß. Doch ist eine Tiny-House-Siedlung mitten in einer Stadt wie Dortmund, wo die Wohnfläche knapp ist, wirklich sinnvoll? Wären nicht Mehrfamilienhäuser, die pro Person weniger Fläche verbrauchen, die bessere Lösung?

Gerald Kampert sagt: Ja, tatsächlich seien Mehrfamilienhäuser in diesem Vergleich eindeutig die bessere Lösung. Im Vergleich zu einer klassischen Einfamilienhaus-Siedlung sind die Tiny Houses aber defintiv die Gewinner.

"Wenn ich meine Tiny Häuser mit einer klassischen Einfamlienhaus-Siedlung vergleiche, bin ich viel viel besser. Weil da sind die Häuser im Schnitt 140 Quadratmeter groß und da wohnen nach zehn, 15 Jahren nur noch zwei Menschen drin."
Gerald Kampert, Stadtplaner in Dortmund

Da viele Menschen gerne ihr eigenes Heim für sich haben, will Gerald Kampert mit der Tiny-House-Siedlung eine Alternative bieten.

Mehr Holz, mehr CO2-Bindung

Ein Vorteil der Mini-Häuser: Viele von ihnen werden hauptsächlich aus Holz gebaut und Holz speichert CO2 für lange Zeit. So auch das Haus von Max und Noreen. Die Dämmung reiche übrigens auch locker für den Winter aus, versichert Max. Auch wenn der Fußboden bei Minusgraden durchaus ziemlich kalt werden kann, hat das Häuschen konstant immer zwischen 20 und 21 Grad.

Für Max und Noreen stellt sich für die Zukunft nur noch die Frage: Was tun, wenn die Kinder größer werden? Aber die Lösung sei eigentlich schon in Planung: Ein zweites Tiny House, direkt nebenan.