Ausreden helfen nicht, sind aber trotzdem recht populär. Warum benutzen wir sie trotzdem – besonders die ganz schwachen? Unsere Autorin Rebekka Endler hat sich umgehört.

Rebekka wollte mit Leuten auf der Straße sprechen - über Ausreden. Und was bekam sie da zu hören: "Ich muss arbeiten. Ich muss dringend weg. Ich muss jetzt gleich wieder rein. Ich muss weiterlernen. Ich habe leider keine Zeit."

Hach, leider keine Zeit mit der netten Reporterin auf der Straße zu reden, wer kennt sie nicht, meint Rebekka: Ausrede.  Wir benutzen sie aus Nettigkeit, aus Faulheit, vor uns selbst und vor anderen. Weil es auch einfach egal sein kann, was der andere denkt.

Rebekka hat mit dem Sozialpsychologe Roland Deutsch von der Technischen Universität Dresden telefoniert und gefragt, warum uns Ausreden so leicht über die Lippen gehen.

"Ich hätte bestimmt eine gehabt, wenn ich lange genug gesucht hätte und wenn ich gewollt hätte. Da mir das Thema aber wichtig ist, habe ich keine gesucht."

Er sagt, dass wir mit Ausreden vermeiden möchten, dass andere schlecht über uns denken.

"Meistens finden Ausreden statt, wenn man selber Verhaltensweisen ausführt, oder ausgeführt hat, die vom sozialen Umfeld abgelehnt, oder negativ bewertet werden. Also eine Hauptfunktion ist, negative Bewertungen abzuwenden."

Im Prinzip funktionieren Ausreden so, meint Rebekka: An erster Stelle steht ein Verhalten, bei dem wir davon ausgehen, dass es negative Konsequenzen haben könnte. Dann muss es jemandem auffallen und dann, wenn wir Gefahr laufen, dass uns jemand aufgrund unseres Verhaltens, oder wegen etwas, dass wir gesagt haben blöd findet – dann greifen wir zur Ausrede.

"Die Ausrede liegt meistens in der Grauzone. Man kann nicht genau sagen, ob es stimmt, oder ob es falsch ist. Oft hat man den Verdacht, dass es vielleicht falsch ist, aber vielleicht stimmt es doch."

Wenn etwas eindeutig falsch ist, dann ist es auch keine gute Ausrede mehr, sondern lächerlich, findet Rebekka. Paris Hiton, die der Polizei versicherte, dass sie dachte ihr Koks sei Kaugummi – keine gute Ausrede. Maradonas Handspiel im WM Viertelfinale 1986, als er sagte, es sei auch ein bisschen die Hand Gottes gewesen – lustig, aber lächerlich.

Positiver Selbstbetrug

Kleine, alltägliche Ausreden sind hingegen eine Möglichkeit, für beide Parteien das Gesicht zu wahren, hat Rebekka herausgefunden. Grundsätzlich betrügen Menschen andere Menschen und sich selbst. Im Durchschnitt neigen wir dazu, uns selbst und auch andere etwas zu positiv zu sehen.

"Wir nennen das in der Psychologie einen positivity bias, eine Positivitätsverzerrung. Und es zeigt sich, dass Menschen das hilft."

Und das ist die ganze Wahrheit über Ausreden, meint Rebekka: Wenn sie gut sind, dann fühlen wir uns wohler, haben weniger Selbstzweifel, aber auch weniger Grund an anderen zu zweifeln. So geht es allen besser, wenn wir uns gegenseitig ein bisschen anschummeln.

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