Auch mit der Europameisterschaft 2024 wird die Uefa viel Geld verdienen. Dabei ist sie schon reich - und unterstützt vor allem die Vereine, die sowieso schon viel haben.

Uefa-Präsident Aleksander Čeferin war vor der Entscheidung, in welchem Land die Europameisterschaft 2024 ausgetragen wird - Deutschland oder Türkei - überraschend ehrlich: "Für die Entwicklung des Fußballs und der Uefa ist es sehr wichtig, so viel wie möglich mit dem Turnier zu verdienen, um das Geld dann an alle Verbände in Europa zu verteilen."

Tatsächlich: Das eingenommene Geld verteilt der Europäischen Fußballverband Uefa zu großen Teilen weiter. Allerdings könnte die Aussage Čeferins auch den Eindruck vermittelt, die Uefa hätte Geldsorgen. ARD-Uefa-Experte Tim Brockmeier: "Der Uefa geht es ziemlich gut."

Uefa hat viel Geld

Ein Blick in den Uefa-Finanzbericht 2016/17 zeigt: Seit 2009 sind die Einnahmen (ohne Europameisterschaften) aus Klubwettbewerben stets gestiegen. Die Uefa hat also in den vergangenen Jahren immer mehr eingenommen. 

Die wichtigsten Einnahmequellen sind der Vertrieb von TV-Übertragungsrechten, die weltweit vermarktet werden. Hinzu kommen große Werbeverträge und der Verkauf von Tickets für die Stadien.

Was passiert mit dem Uefa-Geld?

Der größte Anteil aus den Einnahmen aus Champions League, Europa League und Superpokal gehen zurück an die Teilnehmer dieser Turniere - In der Saison 2018/19 sind das 2,55 Milliarden Euro.

Der größte Anteil davon wiederum (1,95 Milliarden) landet bei den Champions-League-Teilnehmern. Darin enthalten sind: Startprämien, leistungsabhängige Festbeträge, Zahlungen auf Basis der "leistungsabhängigen Koeffizientenrangliste" sowie variable Zahlungen.

Kurzum: Das meiste Geld nimmt die Uefa durch die Champions League und die Europa League ein. Das meiste Geld fließt an jene Vereine zurück, die genau daran teilnehmen. Genau diese Vereine müssen also in erster Linie gemeint sein, wenn Uefa-Chef Aleksander Čeferin von der "Entwicklung des Fußballs" spricht.

Besonderheit EM

Im Finanzbericht 2016/2017 weist die Uefa ihre Einnahmen der vergangenen Jahre aus, darunter auch die Einnahmen aus der Europameisterschaft 2016 in Frankreich. Daran ist zu erkennen: Die Einnahmen aus Europameisterschaften gelten sozusagen als Sondereinnahmen. Diese wurden zu großen Teilen über das "Solidaritäts"-Prinzip an Mitgliedsverbände (wie den DFB) ausgezahlt. Die Uefa wirtschaftet also nicht in erster Linie für sich selbst, sondern für die Mitgliedsverbände und die darin vertretenen Top-Vereine.

Das Bild zeigt Real Madrid nach dem Gewinn der Champions League. Dieser Wettbewerb ist einer der größten Einnahmequellen der Uefa.

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