Der Anteil an Mikrofasern, die wir beim Tragen von synthetischer Kleidung an die Umwelt abgeben, ist höher als beim Waschen – das haben Forschende aus Italien und Großbritannien herausgefunden.

Bisherige Erkenntnisse haben gezeigt, dass Klamotten aus Polyester, Acryl oder Nylon die gewaschen werden, Mikroplastik ins Waschwasser abgeben. Von dort aus nimmt es seinen Weg zur Kläranlage. Danach kann es schlimmstenfalls in Flüsse und Ozeane gelangen, Tiere gefährden und letztendlich auch in unsere Nahrungskette gelangen.

Jetzt haben Forschende in einer weiteren Studie untersucht, ob nur beim Waschen Mikroplastik in unsere Umwelt gelangt, oder ob es bereits ausreicht, die Klamotten anzuziehen.

"Wenn wir die Sachen waschen, müssen wir damit rechnen, dass Hunderttausende Mikroplastik-Fasern ins Waschwasser freigesetzt werden."
Tobias Jobke, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Hinweise darauf, dass Kleidungsstücke – zum Beispiel synthetische Sportbekleidung und Funktionsklamotten – Mikroplastik verlieren, gibt es schon länger. Die Forschenden haben vier Kleidungsstücke aus Polyester und Mischfasern untersucht, um ihre These systematisch zu belegen. Dafür wurde jedes Kleidungsstück bei 40 Grad gewaschen.

Die Studienautoren haben herausgefunden, dass zwischen 700 und 4000 Mikrofasern pro Gramm Stoff freigesetzt werden. Da ein T-Shirt mindestens 100 Gramm wiegt, empfiehlt es sich, die Anzahl der Mikrofasern noch einmal mit 100 zu multiplizieren, um auf einen realistischen Wert zu kommen.

Treppen steigen, Fahrrad fahren, herumgehen

Das Forschungsteam sagt, dass ganz normale Aktivitäten im Alltag ausreichen, damit sich unzählige winzige Mikroplastik-Fasern aus synthetischen Klamotten lösen. Um das zu belegen, sollten Testpersonen die vier Kleidungsstücke anziehen und Bewegungen aus dem Alltag wiederholen: zum Beispiel Treppen steigen, Fahrrad fahren, herumgehen.

Mikrofasern, die im Alltag freigegeben werden: dreimal so hoch

Drei Stunden und 20 Minuten normaler Aktivität haben bei diesem Experiment ausgereicht, um die gleiche Menge an Mikroplastik freizusetzen wie bei einem Waschgang. Da wir an einem Tag aber oft mehr als drei Stunden aktiv sind, übersteigt die Mikroplastik-Menge, die wir beim Tragen verlieren, schnell die, die durch das Waschen ins Wasser gerät.

Beim Waschen gelangen so jedes Jahr rund 300 Millionen Polyester-Mikrofasern in die Umwelt, wenn wir im Alltag Klamotten tragen, liegt der Anteil dreimal so hoch. Und diese Teilchen können für uns giftig sein, wenn wir sie zum Beispiel einatmen.

"Studien zeigen, dass die Mikrofasern auch in Flüssen und Ozeanen landen und dort den Tieren schaden können."
Tobias Jobke, Deutschlandfunk-Nova-Nachrichtenredaktion

Kauf von Kunstfasern zu vermeiden, ist schwierig

In 60 Prozent aller weltweit verkauften Klamotten steckt Polyester, das macht es schwierig, diesen Materialien aus dem Weg zu gehen. Die Stoffe haben einen hohen Marktanteil, weil sich die Kunstfasern günstig herstellen lassen und leicht verfügbar sind. Stoffe aus Polyester sind für die Umwelt nicht nur schlecht: zur Herstellung von Baumwollkleidung benötigt man zum Beispiel viel mehr Wasser.

Was die Hersteller tun können

Wer auf Polyester nicht verzichten, aber auf die Mikroplastik-Belastung achten will, dem raten die Studienautorinnen zu Kleidung aus reinem Polyester. Denn die hat im Test nicht so viele Fasern freigesetzt wie Mischgewebe aus Polyester und Baumwolle. Und die aktuelle Studie gibt auch Tipps dafür, was Hersteller tun können, um die Mikroplastik-Belastung zu reduzieren.

Die Untersuchung hat gezeigt, dass Kleidungsstücke, die enger gewebt sind und eng gewickeltes Garn verwenden, weniger Fasern abgeben, sowohl an die Luft als auch ins Wasser, da ist das Synthetik-Funktionsshirt tendenziell besser als der grob gestrickte flauschige Pulli aus Acrylgarn.