Das unerlaubte Fotografieren unter den Rock wird strafbar in Deutschland. Anstoß für das Gesetz war eine Petition. Dass aus einer solchen tatsächlich ein Gesetz hervorgeht, ist selten – und ein Erfolg für die Initiatoren.

Geldstrafe oder sogar Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahre – damit müssen in Zukunft Menschen rechnen, die heimlich unter den Rock oder in den Ausschnitt fotografieren. Das Gesetz, das neben dem Upskirting, auch das Fotografieren oder Filmen Unfalltoter unter Strafe stellt, hat der Bundestag beschlossen. Voraussichtlich ab Herbst tritt es in Kraft.

Mit der Petition ging es los

2019 hatten Hanna Seidel und Ida Sassenberg die Petition "Verbietet #Upskirting in Deutschland!" gestartet, wir haben mehrfach darüber berichtet. Vorher hatte Gina Martin, selbst Opfer von Upskirting, die Debatte mit großem Erfolg in Großbritannien angestoßen und mit dazu beigetragen, dass ein Gesetz daraus wurde. Jetzt ist das auch in Deutschland der Fall.

Sie habe das noch gar nicht realisiert, weil am Ende alles so schnell ging, erzählt uns Hanna Seidel. Dass das Gesetz am Ende jetzt doch nicht im Persönlichkeitsrecht, sondern im Sexualstrafrecht verankert wird – was ja vor ein paar Wochen noch nicht so aussah – sei sehr gut und genau das, was sich die Initiatoren der Petition gewünscht hätten.

"Dass das im Sexualstrafrecht verankert wird, das macht mich sehr glücklich. Das ist eine ganz andere Signalwirkung. Das ist einfach total schön gerade."
Hanna Seidel, Mitinitiatorin der Petition "Verbietet #Upskirting in Deutschland!"

Das Strafmaß bleibe zwar gleich, egal ob Persönlichkeits- oder Sexualstrafrecht. Es sei aber mehr als nur ein kleines technisches Detail – es habe nämlich eine ganz andere Signalwirkung, sagt Hanna Seidel.

Sexualstrafrecht statt Persönlichkeitsrecht

Das betroffene Rechtsgut sei nun eben nicht mehr das Persönlichkeitsrecht, sondern die sexuelle Selbstbestimmung. Und genau das treffe auf das zu, was den Opfern – darunter ihr selbst – widerfahren sei. Hanna Seidel wurde zweimal Opfer von Upskirting, erzählt sie – einmal mit 13 und einmal mit 16 Jahren. Als sie 13 war, filmten Lehrer ihr und anderen Mädchen bei einer betreuten Schülerdisco unter die Röcke.

Drei Jahre später sei es dann nochmal am helllichten Tag auf einem Musikfestival passiert. Der Mann, den sie damit konfrontiert habe, dass er ihr eine Kamera zwischen die Beine gehalten habe (eine Freundin hatte es beobachtet), sei aggressiv geworden und habe ihr sogar Schläge angedroht. Die Polizei, die in der Nähe gestanden habe, hätte ihr nicht geholfen, sagt Hanna.

"Das war eine sehr, sehr unangenehme Situation. Man fühlt sich verletzt und beschämt."
Hanna Seidel, Mitinitiatorin der Petition "Verbietet #Upskirting in Deutschland!"

Solche Fälle auch rückwirkend verfolgen zu können, wäre gut – ist aber natürlich sehr schwer. Hanna erinnert sich nicht mal mehr an die Namen. Als sie die Petitionen gestartet habe, habe ihre Mutter gesagt, wie toll sie das finde. Denn der Vorfall liege ja schon so lange zurück – als sie 13 war. In diesem Moment sei Hanna erschrocken, weil sie sich nur noch an den Vorfall mit 16 Jahren erinnern konnte. Den Fall drei Jahre vorher hatte sie scheinbar völlig verdrängt, sagt sie.

Strafe nur bei Anzeige

Eine Strafe kann es nur geben, wenn es zur Anzeige kommt. Hanna empfiehlt betroffenen Personen, sofort Menschen, die in der Nähe stehen, anzusprechen und die Polizei zu rufen. Sie hoffe, dass Polizistinnen und Polizisten in diesem Bereich weiter geschult und sensibilisiert würden. Sie selbst sei leider häufig von der Polizei "nicht freundlich behandelt" worden.

Bisher gab es noch nicht viele Anzeigen wegen Upskirting. Jetzt sei die Gesetzeslücke aber geschlossen und die Menschen würden immer mehr für das Thema sensibilisiert. Hanna Seidel hofft auf die Zivilcourage der Menschen und dass sie in Zukunft mehr auf solche Vorfälle achten.