Wer im Internet Ferienwohnungen oder -häuser bucht, muss aufpassen. Es gibt ein paar echt gut gemachte Fakeseiten, die Häuser vermieten, die es gar nicht gibt.

Sina und Jan hatten sich total auf ihren Urlaub auf Teneriffa gefreut. Das Haus für neun Leute hatten sie schon vorab gebucht und gezahlt. Das Problem war dann aber: Das Haus, das sie im Internet gesehen hatten, war gar kein Ferienhaus. Sie sind auf einen Betrüger reingefallen. Und dabei waren sie so vorsichtig!

"Wir haben uns erst mal die Internetseite angeguckt und die sah sehr professionell aus. Ähnlich wie Booking.com, Expedia, Airbnb und wo man noch so buchen kann."
Sina und Jan, sind auf eine Fake-Seite im Netz reingefallen und haben ein Ferienhaus gebucht, das es gar nicht gibt

Das Haus sah eigentlich so schön aus. Eine Villa war es sogar! Alle neun Leute mit denen Sina und Jan fahren wollten, hätten Platz gehabt, es gab einen Infinity-Pool, Meerblick - 155 Euro die Nacht, das war auch noch bezahlbar. Es hätte ein wunderschöner Urlaub werden können.  

Dummerweise konnten Sina und Jan es der Seite - die inzwischen auch gesperrt ist - nicht ansehen, dass sie eine Fake-Seite ist. Weil Sina und Jan schon öfter Ferienhäuser über das Netz gebucht hatten, wussten sie, dass es Betrügerseiten gibt. Deshalb hatten sie sogar über Google-Streetview die Bilder aus der Vogelperspektive miteinander verglichen. 

"Das sah identisch aus, das Haus gab es also wirklich. Da hatten wir ein gutes Gefühl bei der Buchung."
Sina und Jan, sind auf eine Fake-Seite im Netz reingefallen und haben ein Ferienhaus gebucht, das es gar nicht gibt

Reiserechtlerin Beate Wagner von der Verbraucherzentrale NRW bestätigt: "Wenn die Fake-Seiten gut gemacht sind, kann man es fast nicht erkennen." Standardmäßig sollte aber trotzdem jeder prüfen, ob Kontaktdaten angegeben sind, ob es ein Impressum gibt oder sonst irgendwelche Unstimmigkeiten auffallen.

Wichtiger Tipp: Vermieter vorab anrufen!

Die Reiserechtlerin rät: Bevor wir Geld überweisen, sollten wir Kontakt mit dem Vermieter aufnehmen. Das haben Sina und Jan zwar auch gemacht - allerdings per E-Mail. Sie bekamen auch schnell eine Antwort in gutem Englisch - alles wirkte unauffällig und vertrauenswürdig. Trotzdem rät Beate Wagner: besser telefonisch Kontakt aufnehmen.

"Am besten ruft man den Vermieter einmal an. Dass man mit der Person einmal spricht. Aber auch das kann man manipulieren."
Beate Wagner, Reiserechtlerin von der Verbraucherzentrale NRW

Sina und Jan hegten keinen Verdacht. Sie bekamen sogar noch einen Vertrag zugeschickt, in dem stand, wo Handtücher und Bettwäsche abgelegt werden sollten. Im Nachhinein hat Sina sogar gemerkt, dass man die Unterzeichnerin des Vertrags googeln kann. Da findet sich sogar ein Lebenslauf mit Foto. 

Die 1600 Euro für das Haus hatten Sina und Jan in gutem Glauben überwiesen. Irgendwann kam dann aber das ungute Gefühl. Eine Woche vor Reisebeginn sollte sich das Paar wegen der Schlüsselübergabe noch mal melden. Auf die Mail bekamen sie keine Antwort, also rief Jan an. Keiner ging ran. Er hört nur eine Tonbandaufnahme. Das Büro sei nicht besetzt. 

Fake-Haus wurde schon mehrfach vermietet

Die Zweifel wurden größer und größer. Schließlich fanden Sina und Jan über Google die Telefonnummer des Nachbarhauses heraus. Eine Reinigungskraft ging ran und war so nett, am Nachbarhaus zu klingeln. Es öffnete ein Niederländer, der ziemlich erstaut und auch ein bisschen genervt reagierte. Es sei schon das dritte Mal, dass Menschen glaubten, er würde seine Villa vermieten. 

Sina und Jan war also klar, dass sie auf einen Betrüger reingefallen sind. Weil die Flüge gebucht waren, ging es trotzdem nach Teneriffa - und dort dann auch zur Polizei. Und sie waren nicht allein: Über 100 Urlauber hatten über das gleiche Portal gebucht. 

"Bereits über 100 weitere Urlauber hatten über das gleiche Portal gebucht."
Sina und Jan

Die Verbraucherzentrale rät, sich im Vorfeld bei den lokalen Tourismusbehörden zu erkundigen, ob sie etwas über das jeweilige Vermietungsangebot wissen. 

Sina und Jan jedenfalls stellten Strafanzeige, glauben aber nicht, dass sie da noch mal etwas hören werden. Die 1600 Euro für das vermeintliche Ferienhaus sind ziemlich sicher weg. Über das Konto lassen sich die Betrüger nicht ermitteln. 

Heute würden die beiden nur noch mit Kreditkarte oder Lastschrift bezahlen. Innerhalb einer bestimmten Frist lässt sich das Geld dann nämlich noch zurückbuchen. Und eins steht auch fest: Beim nächsten Mal rufen sie den Vermieter auf jeden Fall vor der Buchung an.

Hinweis: Auf unserem Bild ist nicht die Ferienwohnung zu sehen, die im Internet angeboten wurde.  

Ähnliche Themen:

  • Tourismus  |   Socialbnb: Bei Hilfsorganisationen übernachten und sie dadurch unterstützen
  • Homesharing  |   Ärger um Airbnb in Großstädten
  • Tourismus-Prognose 2019  |   Hohe Ansprüche an den Urlaub: Komfort, Erlebnis und intakte Natur