Diese Erfahrung kennen viele: Wir fahren in den Urlaub und es dauert ewig, bis wir von unserem hoch-getakteten Rhythmus runter kommen. Aber es gibt Tricks, mit denen wir schneller in den Entspannungsmodus kommen. 

"Wenn ich im Urlaub bin, dann entspanne ich mich!" Das nehmen wir uns doch irgendwie alle vor, oder? Oft ist das aber gar nicht so leicht, weil der Kopf noch rattert. Das E-Mail-Postfach im Büro (vielleicht auch das private), das nicht abgeschlossene Projekt, nicht eingelöste Versprechen, uns zurückzumelden ...

Bis wir wirklich von uns sagen: Jetzt bin ich im Urlaubsmodus, jetzt kann ich entspannen, ist der Urlaub fast zu Ende und wir werden ganz traurig, weil es wieder zurück geht in das Hamsterrad des Alltags.    

Schon vor dem Urlaub runterfahren

Niko Kohls von der Gesundheitsförderung an der Hochschule Coburg ist Medizinpsychologe und beschäftigt sich viel mit Achtsamkeitsforschung. Wir sollten keine unrealistischen Erwartungen an unseren Urlaub und unsere Fähigkeit zu entspannen haben, warnt Niko Kohls.

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Der Achtsamkeitsforscher sagt: "Erwartungen sind sehr wichtig für die Erfahrungen und körperlichen Reaktionen, die wir machen." Körperlich stellen wir uns selbst ein Bein, wenn wir abrupt von Alltag auf Urlaub umschalten. Das kann das Immunsystem belasten. Der klassische Fehler sei, bis zur letzten Sekunde zu arbeiten und am nächste Morgen in den Urlaub zu fahren. Dann würden wir krank werden.

"Wir haben in Stressphasen unser Immunsystem und unseren Körper am Laufen gehalten - und wenn dann die vermeintliche Entspannung im Urlaub kommt, schlägt die Immunreaktion voll durch."

Im Prinzip müssten wir einen kleinen Urlaub vor dem Urlaub machen, also auf der Arbeit schon mal etwas runter fahren; Projekte abschließen, Mails abarbeiten und auch die Ansprüche an uns herunterschrauben. 

"Wir sollten uns die Einstellung angewöhnen: Das schaffe ich jetzt nicht mehr. Dann bleibt es eben auf dem Schreibtisch liegen."

Ideal wäre es, sagt Niko Kohls weiter, wenn wir uns ein bis zwei Tage, bevor wir in den Urlaub abdüsen, uns zu Hause auf die freie Zeit vorbereiten und dort in Ruhe die letzten Dinge vorher abarbeiten oder vorbereiten.

Wenn es schwer fällt, nichts zu tun

Den allgemeingültigen Tipp für Entspannung im Urlaub gibt es leider nicht. Dafür sind wir alle viel zu verschieden. Manchen hilft es, immer an denselben Ort zu fahren, weil sie dann dort wissen: Jetzt ist Urlaub! Andere brauchen ein bisschen Action und Abwechselung und müssen andere Methoden finden, um sich zu entspannen. Hilfreich dabei ist es laut Niko Kohls, sich zu fragen: Wie ist die Situation, in der es mir am besten geht und in der ich mich entspannen kann?

Wem es schwer fällt, im Urlaub gar nichts zu tun, ist zumindest nicht allein. Das liegt laut des Achtsamkeitsforschers daran, dass wir in einer Leistungsgesellschaft leben und uns stark darüber identifizieren, was wir tun. 

"In dem Moment, wo man keine Aufgaben zu erledigen hat, fällt es vielen schwer, sich zu überlegen, wer man ist."

Um sich mit der Idee, nichts zu tun, vertraut zu machen, rät Niko Kohls, das Sich-Entspannen zu trainieren. Beispielsweise indem wir ein paar Leerlaufphasen als Mikro-Rituale in den Alltag einbauen. Damit habe er bei Achtsamkeitsseminaren gute Resultate erzielt. 

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