Antje von Dewitz ist die Chefin der Outdoor-Marke Vaude. Die Marke gilt als Vorzeige-Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften. Ein mögliches Vorbild für den Umbau der Wirtschaft?

"Momentan ist es ein Risiko, nachhaltig zu wirtschaften", sagt Antje von Dewitz. "Wer nachhaltig wirtschaftet, wird in unserem Wirtschaftssystem eher benachteiligt." Das liege vor allem daran, dass der Markt nicht die wahren Kosten gewöhnt sei. "Es kann nicht sein, dass ich als Unternehmen Schaden anrichte und anderen die Rechnung überlasse."

"Es wird einem verdammt schwer gemacht, als Unternehmen Verantwortung zu übernehmen."
Antje von Dewitz, Geschäftsführerin Vaude

In den vergangenen Jahren sei das Interesse an nachhaltigem Wirtschaften schon gestiegen, sagt von Dewitz. "Durch Corona wird die Menge der Leute noch größer, die sich damit auseinandersetzen, was gutes Wirtschaften ausmacht." Bei Vaude bedeutet das zum Beispiel, die wahren Kosten in das Produkt zu integrieren. Besonders wird auf soziale Arbeitsbedingungen und umweltfreundliches Produzieren geachtet.

Existenzsichernde Löhne zahlen

Durch das Siegel Fair Wear werden zum Beispiel regelmäßig die Produktionsstätten von Vaude in Asien überprüft. Ganz unkompliziert ist das nicht. "Das Siegel schreibt zum Beispiel vor, dass existenzsichernde Löhne gezahlt werden." Es sei aber nicht immer ganz sicher zu sagen, was das in welchem Land unter welchen Umständen genau bedeute, sagt von Dewitz.

"Konsum bringt Verantwortung mit sich. Das ist immer mehr Menschen bewusst."
Antje von Dewitz, Geschäftsführerin Vaude

Darüber hinaus habe Vaude die problematischen PFCs (per- und polyfluorierte Chemikalien) aus der Produktion verbannt. Die Stoffe werden vor allem als Regenabweiser auf Oberflächen zum Beispiel in Jacken oder Zelten eingesetzt, gelten aber als sehr problematisch. Die Langzeitwirkungen sind bisher nicht genug erforscht.

Unter Investitionen in Nachhaltigkeit leidet das Marketing-Budget

Damit Vaude trotzdem marktfähige Preise anbieten kann, müssen die Kosten an anderen Stellen reduziert werden. "Unser Marketing-Budget muss oft leiden", sagt von Dewitz.

"Nachhaltiges Wirtschaften ist nichts anderes als unternehmerische Verantwortung, nur ganzheitlich gesehen."
Antje von Dewitz, Geschäftsführerin Vaude

Unternehmerische Verantwortung definiert die Chefin von rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern so: "Ich weiß, was ich tue und ich weiß, welche Auswirkungen mein Handeln auf Mensch und Natur hat. Und ich tue alles, um Positives zu stiften."

Momentan würden sich das aber nur Pioniere trauen, zu hoch sei das Risiko, durch das System abgestraft zu werden. Zu diesem Gedanken passt der Titel ihres gerade erschienen Buches: "Mut steht uns gut".

"Eine gute Chefin zu sein, heißt ein guter Rahmengeber zu sein. Ich kann allein das Unternehmen nicht leiten. Ich bin nur ein Teil von Vaude. Nur mit meinem Team kann ich Vaude leiten"
Antje von Dewitz, Geschäftsführerin Vaude

In Eine Stunde Talk erzählt Antje von Dewitz, wie sie zum Outdoor-Fan geworden ist, was eine Gemeinwohl-Bilanz ist und wo sie gerne wandert.