Forscher von der Standford Uni haben untersucht, ob Polizisten sich bei Verkehrskontrollen rassistisch verhalten. Das Ergebnis der Studie lässt keinen Zweifel daran.

In den letzten Jahren wurden immer wieder Fälle publik, in denen US-Polizisten rassistisch und besonders brutal gegen Schwarze vorgegangen sind. Routinemäßige Checks und Verkehrskontrollen endeten mit der Erschießung des unbewaffneten Zivilisten. In einigen Fällen sogar von hinten. 

Manche dieser Vorfälle wurden mit Handykameras festgehalten, veröffentlicht und lösten Proteste und Ausschreitungen in vielen Teilen der USA aus. In einer Studie untersuchten Wissenschaftler der Stanford Universität, ob Polizisten alleine wenn sie jemanden ansprechen, um eine Kontrolle durchzuführen, einen Unterschied zwischen Schwarzen und Weißen Personen machen.

"Wenn die Polizisten jemanden anhalten, dann machen die ihre Kamera an. Dieses Material wird sonst nur dafür verwendet, wenn es Schwierigkeiten gibt, um zu beweisen wer, was, wann gemacht hat - also in Extremfällen."
Tina Kießling, Deutschlandfunk Nova
Ein US-Polizist führt Aufnahmen einer Body Cam vor.
© dpa

Mittlerweile haben viele Städte und Gemeinden die Polizisten mit Body Cams ausgestattet - Kameras, die an der Uniform befestigt sind. Während einer Personenkontrolle schalten die Beamten - besonders zu ihrem eigenen Schutz - die Kameras an. 

Forscherteam wertet Filmmaterial aus

Das Forscherteam aus Psychologen, Linguisten und Computerwissenschaftler der Universität Stanford wertete viele Stunden Filmmaterial aus, das mit den Body Cams aufgenommen wurde. Die Filme wurden ihnen von der Stadt Oakland in Kalifornien zur Verfügung gestellt. In dem Material fanden sie 36.000 Äußerungen, die Polizisten bei Verkehrskontrollen in einem Monat gemacht haben.

"Die Forscher fangen auf einem allgemeineren Level an, nämlich, wie reden Polizisten mit den Leuten in einer ganz alltäglichen Begegnung."
Tina Kießling, Deutschlandfunk Nova

Zuerst hat das Stanford-Team die Gespräche der Polizisten mit den Verkehrsteilnehmern transkribiert. Dann wurden die Begegnungen von Testpersonen bewertet, bewerten mussten, wie respektvoll, höflich, freundlich, formell und unvoreingenommen der US-Polizisten war. Daraus wurde dann eine Kategorienliste entwickelt. Und danach konnte ein Algorithmus geschrieben, der die 36.000 Äußerungen ausgewertet hat. 

"Die Polizisten scheinen ihr Verhalten nicht zu ändern, nur weil die Kamera mitläuft. Wir wissen nicht, wie das wäre, gäbe es die Kameras nicht, aber es wird klar: Es gibt die Unterschiede wie die Ungleichbehandlung Schwarzer und Weißer. "
Tina Kießling, Deutschlandfunk Nova

Die Autoren der Studie stellten klar, dass es nicht darum geht, dass Personen von Polizisten beschimpft worden sind. Vielmehr konnte gezeigt werden, dass es um Nuancen in der Sprache geht: Rede ich jemandem mit dem Vor- oder Nachnamen an? Sage ich "bitte" und "danke"? Wünsche ich einen "guten Tag"? Dabei gibt es sehr deutliche Unterschiede.

Das Ergebnis der Studie

Die besonders respektvollen Äußerungen bekommen mehr als doppelt so viele Weiße wie Schwarze zu hören. Bei den respektlosen Äußerungen ist es genau umgedreht. Und weil die Forscher sehr viel Material hatten, konnten sie Faktoren, die das Ergebnis verfälschen könnten, herausfiltern.

Den einzelnen Polizisten mag gar nicht klar sein, dass sie verschiedene Personen unterschiedlich behandeln. Diese Studie kann dafür genutzt werden, um die Aufmerksamkeit der Beamten zu schulen.

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