Die Gamer-Industrie ist männlich, weiß und heterosexuell geprägt. Aber seit den 80ern werden queere Themen immer wieder in Videospielen behandelt. Heute finden die Themen mehr Beachtung, sagt Videospiel-Bloggerin Sarah Rudolph.

Wer Sarah Rudolph zuhört, kommt zu dem Schluss: Wir könnten schon viel weiter sein mit queeren Themen in der Gamerszene. Schwule und lesbische Figuren gab es schon in Videospielen der 80er und 90er Jahre – und die Themen hätten sich nicht verändert, sagt Sarah Rudolph. Sie ist Videospiel-Bloggerin und Kuratorin des Schwulen Museums in Berlin, das gerade die Ausstellung "Rainbow Arcade – Queere Videospielgeschichte 1985-2018" zeigt. 

Tatsächlich erregt ein lesbischer Kuss, wie zuletzt in "The Last of Us 2" immer noch enormes Aufsehen. Die Frage ist nur: Warum? 

Schwule und lesbische Figuren gab es schon in den 80ern

Sarah Rudolph hat sich für die Ausstellung Rainbow Arcade intensiv damit auseinandergesetzt, inwieweit schwule und lesbische Figuren in Videospielen auftauchen, in welchem Kontext sie dargestellt werden und auch seit wann. Schon in den 80ern, sagt sie, gab es das Spiel "Caper in the Castro", das als das erste LGBT-Spiel gilt. Die Protagonistin ist eine lesbische Detektivin, die ihre Freundin retten muss. 

Auch in sehr bekannten Games wie "Grand Theft Auto" (GTA), einer Videospielreihe über Autodiebe, gibt es schwule Figuren – allerdings sehr negativ dargestellt, sagt Sarah Rudolph. Bei einer Erweiterung von GTA "The Ballad of Gay Tony" gebe es wiederum eine positiv besetzte schwule Hauptfigur, der die Spielerinnen und Spieler helfen müssen.

Lauter Aufschrei einiger Gamer gegen queere Themen

Grundsätzlich seien die Spieleentwickler der 90er Jahre queeren Themen gegenüber sehr aufgeschlossen gewesen – sowohl im Mainstream- als auch im Indie-Bereich. Zu laute Aufschreie einiger Gamer hätten aber dazu geführt, dass eher zaghaft damit umgegangen wurde. Ein Beispiel kommt aus Russland: Sarah Rudolph erzählt, dass es einen riesen Aufstand gegeben habe, als es in einer Fifa-Version die Möglichkeit gab, den Spielern regenbogenfarbene Schnürsenkel anzuziehen. Das sei homosexuelle Propaganda, hieß es. 

Auf der anderen Seite habe es schon vor 15 Jahren Initiativen gegeben, bei denen große Firmen versuchten, sogenannte Gaymer auf dem Markt größer zu machen, oder für sich zu nutzen. Aber auch das war von teils sehr negative Reaktionen begleitet. Heute sei es laut Sarah Rudolph immer noch so, dass schwule oder lesbische Figuren in Mainstreamspielen oft Randfiguren sind, oder kaum eine Rolle spielen. Als Beispiel nennt sie "Destiny 2": In dem Spiel gibt einen schwulen Charakter, allerdings versteckt. 

"Der Charakter erzählt irgendwann davon, dass er zu Hause einen Freund hat, den er vermisst und der immer für ihn kocht. Das passiert aber nur, wenn man daneben stehen bleibt. Für das Spiel spielt es keine Rolle."
Sarah Rudolph, Videospiele-Bloggerin und Kuratorin

Die Branche sei immer schon und nach wie vor männlich, weiß und heterosexuell geprägt. Das müsse man ganz klar so festhalten, sagt Sarah Rudolph. Queere Themen und Figuren in Mainstreamspielen zu platzieren, sei allein schon aus dem Grund schwer, weil rund 400 Menschen an solch einem Spiel mitwirken. Aber es gebe trotzdem Beispiele, wo das gelungen ist. Etwas leichter, eigene queere Perspektiven einfließen zu lassen, sei es im Indie-Bereich, sagt sie.

Die Themen sind seit den 80ern gleich

Die Ausstellung Rainbow Arcade zeigt rund 100 Exponate seit den 80ern und es sei offensichtlich, dass sich an den Themen inhaltlich nicht viel geändert habe, sagt Sarah Rudoplh. Gewissermaßen habe die Videospielszene mal eine Vorreiterrolle gehabt, was schwule und lesbische Themen angeht, es habe nur keiner gemerkt.

"Wir sehen in der Ausstellung, dass die Geschichten, die heute erzählt werden, sich genau so schon in Spielen aus den 80er oder 90er Jahren finden ließen."
Sarah Rudolph, Videospiele-Bloggerin und Kuratorin

Einen Unterschied zu früher gibt es aber schon: Spiele mit LSBTIQ-Themen werden jetzt in der Szene gefeiert. Und durch die erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten über soziale Kanäle verbreiten sie sich schneller. Insofern finden die Spiele mehr Beachtung, sagt Sarah Rudolph  – und die Themen der queeren Figuren werden nicht mehr so schnell vergessen.

"In den letzten Jahren hat sich aber immer mehr gezeigt, dass es etwas ausmacht, wenn Menschen sich repräsentiert fühlen und wahrgenommen werden und das wird jetzt immer mehr genutzt."
Sarah Rudolph, Videospiele-Bloggerin und Kuratorin

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