Walk-Out bei Google

Mini-Streik gegen Sexismus – weltweit

90 Millionen Dollar Abfindung für einen mutmaßlichen Sexualstraftäter? Google-Mitarbeiter protestieren und die relativ wenigen Google-Mitarbeiterinnen auch: ihre Gründe und ihre Forderungen.

Aus Protest gegen die Behandlung von Opfern sexueller Gewalt bei Google sind Mitarbeiter am  Donnerstag (01.11.2018) weltweit in einen Ausstand getreten. Für sie geht der Konzern zu nachsichtig mit Führungskräften um, denen sexuelles Fehlverhalten vorgeworfen und nachgewiesen wurde.

Protestiert wurde in Google-Niederlassungen von Tokio, über Singapur bis London. In Dublin wandten sich die Organisatoren per Megafon an die Menge, um sich mit den Opfern von Nachstellungen zu solidarisieren. Andere Beschäftigte zeigten sich zwar medienscheu, versammelten sich aber im Inneren der Bürogebäude, um Verärgerung und Mitgefühl auszudrücken.

"Gleichberechtigung ist ein dickes Problem. Nur 31 Prozent der 94.000 Mitarbeiter sind Frauen. Nur 26 Prozent der Führungskräfte sind Frauen."
Marcus Schuler, Korrespondent für das Silicon Valley

Auch im kalifornischen Mountain View wurde demonstriert. Wir haben mit Marcus Schuler kurz vor den Protesten dort vor Ort gesprochen. Er ist unser Korrespondent für das Silicon Valley. Tausende Googler – so nennen sich die Mitarbeiter des Konzerns selbst – haben auch in San Francisco ihre Büros verlassen.

Sie fordern wie ihre Kolleginnen und Kollegen die Umsetzung eines Fünf-Punkte-Plans. Dazu gehört auch eine geschlechterneutrale Bezahlung. Ihre Forderungen im Einzelnen:

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"Sie verlangen mehr Transparenz bei den Gehältern und einen jährlichen Bericht über Missbrauchsfälle."
Marcus Schuler, Korrespondent für das Silicon Valley

Mit den Protesten reagieren die Beschäftigen auf einen Bericht der New York Times vom 25.10.2018. Demnach hat Andy Rubin, der Entwickler des linux-basierten Handybetriebssystems Android, eine Mitarbeiterin zum Oralverkehr gezwungen. Eine interne Klärung habe den Vorwurf erhärtet. Google hätte Andy Rubin fristlos kündigen können.

Stattdessen habe das Unternehmen Andy Rubin 2014 eine Abfindung in Höhe von 90 Millionen Dollar gezahlt – in monatlichen Raten von je 2 Millionen Dollar. Andy Rubin bezeichnete den Bericht als falsch. Er befinde sich in einem Scheidungsverfahren. Die Höhe der Kompensationssumme sei maßlos übertrieben.

Andy Rubin – wohl kein Einzelfall

Laut New York Times hat Google auch in zwei weiteren Fällen potenzielle Täter von hohem Rang mit hohen Summen aus dem Unternehmen verabschiedet. Chef Sundar Pichai bat am Dienstag (30.10.2018) in einer E-Mail an die Beschäftigten um Entschuldigung für das Vorgehen des Unternehmens.

Er verstehe den Zorn und die Enttäuschung vieler Mitarbeiter und setze sich für Fortschritt bei einem Thema ein, das auch bei Google schon viel zu lange bestehe, schrieb er. Namen erwähnte Sundar Pichai nicht, er bestritt die Darstellung in dem Times-Bericht aber nicht.

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