Weiterbildung

Wer was weiß, dem wird gegeben

Ist es heute wichtig welche Ausbildung, welches Studium wir abgeschlossen haben? Oder löst das Konzept des lebenslangen Lernens die Bedeutung vom guten Zeugnis ab? Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Rebekka Endler hat sich angeguckt, wie es um Deutschlands Weiterbildung bestellt ist.

Heute müssen wir für unseren Job und in unserem Job ständig etwas Neues lernen. Denn, wer sich nicht weiterbildet, der verpasst den Anschluss an den Arbeitsmarkt. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern auch eines der Ergebnisse des deutschen Weiterbildungsatlas im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Frank Frick hat geschaut, wer sich in Deutschland weiterbildet. Er ist Director vom Programm Lernen fürs Leben bei der Bertelsmann-Stiftung.

Akademiker und Besserverdiener profitieren

Drei Arten sind zu unterscheiden, sagt Frick: die Arbeitsmarktpolitik, also Arbeitsmarktagenturen und Jobcenter, die betriebliche Weiterbildungen und die öffentliche und privatwirtschaftliche Weiterbildung. Am meisten profitieren insgesamt die Akademiker und Besserverdiener.

"Wer selber viel Geld verdient, der investiert auch gerne selber viel Geld in Weiterbildung."

Das sei aber auch ein Trend, sagt Frick. "Je mehr wir in Deutschland über das Thema lebenslanges Lernen gesprochen haben, desto mehr haben auch die einzelnen Menschen gesagt: 'Dann investiere ich auch einiges Geld da rein'", so Frick. Das Geld braucht man natürlich erst mal! Volkshochschulkurse für Sprachen und Computer-Programme sind mit ca. 60-80 Euro noch vergleichsweise erschwinglich. Im privaten Sektor ist die Grenze nach oben offen. 

Die Mittelschicht wird teilweise gefördert

Jürgen Deller ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Leuphana Uni in Lüneburg. Er hat sagt, dass Mitarbeiter bis zum Alter von 40, 45 gefördert werden. Firmen investieren hier noch in Weiterbildung. Danach landen die Menschen oft auf einem Bildungsabstellgleis.

"Das heißt, das sind Menschen, die auch noch 10 oder 15 Jahre weiterarbeiten. In die wird nicht mehr investiert, um sie fit zu machen, für den digitalen Wandel. Das ist für mich ein sehr kritischer Punkt."

Wer eigentlich noch zehn Jahre arbeiten kann, wird als Fachkraft gerade auf dem Arbeitsmarkt dringend gebraucht, kann aber - ohne Weiterbildung - abgehängt werden. 

Geringqualifizierte wissen nichts von den Bildungsangeboten

Verlierer des lebenslangen Lernens ist, wer keine Bildungsabschluss oder einen geringen Bildungsabschluss hat. Denn hier bildet sich kaum jemand weiter. Bastian Revers ist der Fachbereichsleiter für Integration auf dem Arbeitsmarkt beim gemeinnützigen Träger Zug um Zug. Er sagt, das Problem sei die Wahrnehmung von Weiterbildungsmöglichkeiten. Viele wüssten einfach gar nicht, dass es Angebote von der öffentlichen Hand gibt.

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