Welche Rolle spielt Erfahrung, um eine WM zu gewinnen, Erfolg im Job zu haben, ein Ziel zu erreichen? Unsere Reporterin Grit Eggerichs hat bei einer Wirtschaftspsychologin nachgefragt. 

Lange Zeit galt in der Psychologie die 10.000-Stunden-Regel: Wer 10.000 Stunden lang eine bestimmte Tätigkeit ausgeübt hatte, galt aus wissenschaftlicher Sicht als erfahren auf diesem Gebiet. 

Der Hintergrund: Eine Studie aus dem Jahr 1993. Psychologen hatten an einer Berliner Musikhochschule eine Gruppe von Studenten untersucht, die Geige spielen lernen wollten. Dabei haben die Forscher festgestellt: Am erfolgreichsten waren die Kandidaten, die durchschnittlich 10.000 Stunden geübt hatten. Und seitdem gibt es diese Theorie von der 10.000-Stunden-Regel.

"Da hilft Üben nicht wirklich. Es gibt Studien, die sagen, dass wir bei kognitiven Fähigkeiten durch Erfahrung nicht wirklich besser werden."
Ingrid Gerstbach, Wirtschaftspsychologin

Inzwischen haben die Autoren der Studie allerdings eingeräumt: Andere Faktoren sind mindestens genauso wichtig - oder können genauso wichtig sein.  Auch die Wirtschaftspsychologin Ingrid Gerstbach, mit der unsere Reporterin Grit Eggerichs gesprochen hat, relativiert die 10.000-Stunden-Regel. 

Ihrer Meinung nach lässt sich diese Regel, wenn überhaupt, nur auf Sport, Musik oder ein Handwerk anwenden. Bei Mathematik oder Denkprozessen sei dagegen gut möglich, dass keinerlei Verbesserung eintrete, obwohl wir sehr viel Zeit aufwenden. Hier seien ganz andere Faktoren entscheidend.

"Wenn ich als Führungskraft ganz souverän auftrete und damit Charisma ausstrahle, dann hat es nicht nur einen Effekt auf die Leute, die mich sehen, sondern auch auf mich selber."
Ingrid Gerstbach, Wirtschaftspsychologin

Trotzdem bleibt die 10.000-Stunden-Regel populär - offenbar gefällt vielen der Gedanke, dass fünf Jahre Übung ausreichen, um aus jedem von uns einen Meister zu machen. Aber auch die kognitive Leistung, Begabung – und beim Fußball der Teamspirit – können eine Rolle spielen – und natürlich Glück.  

Fake it til you make it

Auch, wer mit viel Selbstbewusstsein an eine Sache herangeht, kann erfolgreich sein. Von sich selbst überzeugt zu sein, ist ein extrem wichtiger Faktor, wenn es darum geht, erfolgreich zu sein, bestätigt Wirtschaftspsychologin Ingrid Gerstbach. 

Und wer von Haus aus nicht selbstbewusst ist? Der kann es sich selbst suggerieren: Zum Beispiel, indem er innerlich immer wieder "Ich-kann-das"-Mantren wiederholt. Das gilt für Fußballer genauso, wie für High-Performer in Unternehmen. 

Erfahrenheit durch Körpersprache ausstrahlen

Anhand einfacher körpersprachlicher Mittel könne außerdem jede von uns souverän, sicher und erfahren wirken. Indem wir den Blick im Gespräch fest auf dem Gesprächspartner ruhen lassen, seinen Blicken nicht ausweichen und eher zuhören, als selbst viel zu reden. Wer sich über Jahre selbst bestärkt, könne das eben auch immer besser und überzeugender rüberbringen. 

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