Klingt paradox: ein deutsches Schiff unter der Flagge eines anderen Staates. Allerdings ist der Nationenwechsel hier längst Standard. Und dabei geht es oft ums Geld.

Habt ihr folgendes schon mal gelesen und euch gefragt, was es bedeutet: "Ein deutsches Schiff unter der Flagge von..."? Und dann folgen Länder wie Dschibuti, Antigua, Barbuda. Dahinter steht die Praxis des "Ausflaggens": Dabei befindet sich die Reederei zwar in Deutschland, aber das Schiff wird in einem anderen Staat gemeldet. Das Kreuzfahrtschiff MS Deutschland fährt beispielsweise unter der Flagge der Bahamas, das Rettungsschiff Aquarius fuhr bisher unter der Flagge Gibraltars. 

Flagge mit Steuererleichterungen

Anders als etwa bei der Staatzugehörigkeit von Menschen können Schiffe sehr frei wählen, unter welcher Flagge sie fahren. Sie ordnen sich damit allerdings auch den Gesetzen des entsprechenden Landes unter. Mittlerweile fahren so nur noch etwa 14 Prozent der Handelsschiffe unter deutschen Flagge. Klaus Harald Holocher, Professor für Schifffahrt und Logistik an der Jade Hochschule, erklärt, diese Praxis gelte genauso für Rettungsschiffe, Öltanker oder Touri-Dampfer.

Flags of Convenience

Zentraler Anreiz, unter anderer Flagge zu fahren, sind ökonomische Überlegungen. So müssen Reedereien unter ausländischer Flagge etwa nicht den deutschen Mindestlohn zahlen oder Sozialabgaben bezahlen. Auch kann der Flaggentausch sich steuerlich auswirken.

"Kreuzfahrtschiffe unter deutscher Flagge, die gibt es kaum mehr. Da würde die Befürchtung bestehen, dass die Catering-Crew nach deutschem Mindestlohn bezahlt werden muss."
Klaus Harald Holocher, Professor für Schifffahrt und Logistik, Jade Hochschule

Für klassische Seefahrtsnationen sei die Flagge eher ein Symbol für die Kontrolle, dass alle Vorschriften eingehalten werden, sagt Klaus Harald Hochner. Aus diesem Umstand machen einige Länder, beispielsweise Panama oder Luxemburg, ein Geschäftsmodell. Sie locken Reeder mit Serviceangeboten. Deshalb werden Flaggen solcher Staaten auch "flags of convenvience" - also Fahnen aus Bequemlichkeit genannt. 

"Wenn man beispielsweise für einen Besatzungswechsel ein Visum braucht, dann springen die auch rund um die Uhr."
Klaus Harald Holocher, Professor für Schifffahrt und Logistik, Jade Hochschule

Um dieses Ausflaggen zu verhindern, versucht Deutschland Anreize zu schaffen, weiter unter deutscher Flagge zu fahren. So wurden etwa Steuererleichterungen beschlossen und einige Regeln für Besatzungen gelockert. Zudem weist die Bundesregierung darauf hin, dass die deutsche Flagge für Seriosität und Qualität stehe und eine gute Eintrittskarte für Häfen weltweit sei.

Schiffe unter deutscher Flagge zu halten, ist zum einen wichtig, weil dem Staat sonst Steuereinnahmen entgehen. Zum anderen geht es aber auch um den Einfluss in der internationale Seeschifffahrts-Organisation IMO. HiIer werden international Regeln zu Arbeitsschutz und zu Umweltstandards festgelegt. Und bei der IMO gilt: Je nach Größe der Flotte der Nation entscheidet sich, wie viel Mitspracherecht diese hier erhält.

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