Im Ostsächsischen Dorf Förstgen haben Wölfe eine Schaf- und Ziegenherde angegriffen. Mindestens 43 Tiere wurden getötet. Das liegt am Beuteschlagreflex.

Zunächst einmal: Es ist noch nicht abschließend bewiesen, dass es Wölfe waren, die am Dienstag, den 9. Oktober 2018 in Förstgen eine Schaf- und Ziegenherde angegriffen haben. Auch wenn vieles darauf hindeutet, ist es wichtig dies zu erwähnen, denn der Wolf an sich ist ein Politikum. Es gibt jene, die sich freuen, dass er hier in Deutschland wieder heimisch wird, und jene, die ihn am liebsten abschießen würden – was verboten ist. 

Indizien, die dafür sprechen, dass es Wölfe waren sind aber:

  1. Es gibt in der Nähe ein Rudel mit elf Wölfen.
  2. Mitarbeiter der Naturschutzstation Östliche Oberlausitz, die die Schafsherden hält, haben an diesem Morgen Wölfe gesehen.
  3. Die Verletzungen der Tiere deuten darauf hin.

Die Behörden in Sachsen haben Kot- und Speichelproben mitgenommen und werten diese jetzt aus. Für Annett Hertwick, Geschäftsführerin der Naturschutzstation Östliche Oberlausitz, ist die Sache aber klar. Sie ist sich sicher, dass es Wölfe gewesen sein müssen – sie hat die toten Tiere gesehen. "Zum Teil mit sehr tiefen Bisswunden an beiden Seiten", sagt sie.

"Unser Zuchtbock hat ganz dolle Verletzungen in den Flanken. Und die Mutterschafe sind ganz oft in die Kehle gebissen worden, das ist ganz typisch."
Annett Hertwick, Geschäftsführerin der Naturschutzstation ​Östliche Oberlausitz

Was verwundert, dass das Wolfsrudel direkt so viele Tiere gerissen hat. Die bisherige Bilanz: 43 tote Tiere, 18 verletzte und noch mal 28 vermisste Ziegen und Schafe – von einer insgesamt 151 starken Herde. 

Die Wolfsreferentin des Naturschutzbundes (Nabu), Marie Neuwald vermutet, dass das am sogenannten Beuteschlagreflex liegt. Das bedeutet, wenn Schafe eingezäunt sind, stoßen sie beim Weglaufen an Grenzen und ändern dann die Richtung. Beim Wolf wird dadurch der Impuls ausgelöst, immer wieder der Beute hinterherzulaufen und zuzubeißen.

"Wenn die Schafe eingezäunt sind und immer wieder an eine Grenze stoßen und in eine andere Richtung weglaufen, löst das bei Wölfen immer wieder einen neuen Jagdtrieb aus."
Marie Neuwald, Wolfsreferentin des Naturschutzbundes

In freier Wildbahn würde sich der Wolf also eher auf ein Opfer konzentrieren und es verfolgen, wodurch die anderen flüchten könnten.

Angriffe durch Wölfe nehmen zu

Von Wolfsangriffen dieser Art hören wir in letzter Zeit häufiger. Zuletzt wurden im Sommer 40 Schafe im Schwarzwald von Wölfen gerissen, in Mecklenburg-Vorpommern waren es Anfang Oktober elf Schafe, im August waren es in der Nähe von Rostock 15 Schafe. 

Seit 2000 gibt es wieder Wölfe in Deutschland. Bundesweit gibt es inzwischen wieder 55 Rudel und damit steigt auch die Zahl der Angriffe auf Tiere. Angriffe auf Menschen wurden in den vergangenen 18 Jahren aber nicht dokumentiert.

Wer einem Wolf begegnet: Ruhig bleiben

Das Landesumweltamt NRW empfiehlt uns – sollten wir beim Waldspaziergang mal einem Wolf begegnen:

  • ruhig bleiben 
  • eine selbstbewusste Haltung einnehmen 
  • in die Hände klatschen 
  • Langsam zurückziehen, denn Wölfe haben Respekt vor Menschen. 
  • Panisch wegrennen wäre kontraproduktiv, da wir uns dann selbst als Beute interessant machen würden.     

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