In New York gibt es die Landlord Watchlist. Dort sind die Vergehen potenzieller Miethaie aufgeführt - für jedermann. Taugt das als Modell für Deutschland?

Ihr kennt das: Wer in deutschen Großstädten eine Wohnung sucht, ist in der Regel froh, wenn er überhaupt eine bezahlbare findet. Die Mietpreisbremse von 2015 gilt gemeinhin als wirkungslos und wird von Vermietern gerne umgangen – mit möblierten Zimmern beispielsweise.

Liste des Schreckens - die "Landlord Watchlist"

Wir sieht es denn in New York aus? Der New Yorker Immobilienmarkt ist hart – insbesondere für Mieter – und das, obwohl die Stadt eine Reihe von Vorkehrungen trifft, um Mietwucher zu begegnen. So ist das Ausmaß von Mieterhöhungen klar geregelt.

Zusätzlich veröffentlicht die Bürgerbeauftragte Letitia James jährlich eine Liste der übelsten Vermieter. Das ist kein willkürlicher Online-Pranger, sondern eine statistisch abgesicherte Erhebung – sortiert nach der Zahl von Verstößen. Zusätzlich geben Bilder von der verdreckten und zerfallenen Ausstattung einen Eindruck von den Zuständen in den beanstandeten Gebäuden und Wohnungen - inklusive unbewohnter Gebäude.

"Offenbar zeigt diese Anprangerung Erfolg. Neun Vermieter aus der Top Ten vom Vorjahr tauchten 2017 nicht mehr dort auf."
Magdalena Bienert, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Unter Vermietern ist die Liste natürlich unbeliebt. Der Immobilienbesitzer Steve Croman fand seinen Namen regelmäßig auf der Liste. Über Jahrzehnte kaufte er eine Vielzahl von Gebäuden – gut 140 Stück – in Manhattan, in denen Mieter mit geschützten Mietverträgen wohnten. Um die Mieten möglichst zügig erhöhen zu können, versuchte er die unliebsamen Mieter dann zunächst auf legalem Weg mit Ablösesummen zum Auszug zu bewegen.

Gelang das nicht, belästigte und bedrohte Steve Croman seine Mieter, mit dem Ziel, das Mietverhältnis rasch zu beenden. Er bediente sich eines eigenen Sicherheitsdienstes – geleitet von einem New Yorker Ex-Polizisten. Dafür und für weitere Vergehen musste Steve Croman sich 2016 vor Gericht verantworten und wurde dann – aufgrund eines Deals mit der Staatsanwaltschaft – zu einem Jahr Haft wegen Betrugs verurteilt.

Zurück nach Deutschland: Aus Sicht des Mieterschutzes hätte eine Liste nach dem New Yorker Vorbild etwas Gutes - beispielsweise in Berlin.

"Das Öffentlichmachen von bestimmten Problemen ist auf jeden Fall sinnvoll."
Reiner Wild, Berliner Mieterverein

Gegen eine Liste der übelsten Vermieter, sortiert nach Verstößen gegen Bau- und Mietvorschriften, spricht nur wenig. Fraglich bleibt, ob sich der Aufwand seitens der Behörden tatsächlich lohnt. Alternativ könnte die öffentliche Hand den finanziellen und personellen Aufwand auf den sozialen Wohnungsbau verwenden.

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