Der Yoga-Hype kommt auch bei den Männern an. Die großen Sportklamottenhersteller reagieren darauf und bringen spezielle Yoga-Kleidung für Männer auf den Markt. Und damit das auch richtig cool klingt, wird das Ganze "Brogawear" genannt. 

Bei kleinen, spezialisierten Herstellern wurden Yoga-interessierte Männer auch schon früher fündig. Jetzt springen aber auch die Big Player im Sportklamotten-Geschäft auf den Zug auf und wollen von dem Hype profitieren. Der menschenunwürdige Zustand, in ganz normalen Sportklamotten zum Yoga gehen zu müssen, gehört also jetzt zum Glück auch für Männer der Vergangenheit an, sagt Anke van de Weyer von Deutschlandfunk Nova.

Der männliche Yoga-Markt

Vor kurzem hat Nike die erste Yoga-Kollektion speziell für Männer gelauncht. Bisher war der Sportartikelhersteller Lululemon auf diesem Gebiet der Platzhirsch. In der Yogaszene gelten deren Klamotten so ein bisschen als Statussymbol, sagt Anke. Zum einen, weil sie hip und cool sind und ihre Klamotten nur bis maximal Größe XL anbieten (damit auch ja keine zu dicken Menschen die Sachen tragen). Zum anderen, weil sie deutlich teurer sind als viele andere Anbieter. Für eine Yogahose zahlt ihr bei Lululemon um die 100 Euro, die Nike-Variante gibt es schon ab 45 Euro. 

"Weil es immer mehr männliche Kunden gibt, plant Lululemon in die Klamottensparte für Männer bis 2020 umgerechnet fast 90 Millionen Euro zu investieren."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Allerdings schneiden die Klamotten von Lululemon in Sachen Ethik und Umweltfreundlichkeit etwas besser ab als die von Nike. Lululemon tut viel, um seine Marktposition zu behaupten: 90 Millionen Euro sollen bis 2020 in den Männer-Yoga-Markt gesteckt werden.

Das Besondere an Yogaklamotten

Der Unterschied zur Kombi aus Funktionsshirt und Laufhose: 

  • Bei den Shirts ist die Hinterseite länger als die Vorderseite – damit nicht der halbe Rücken freiliegt, wenn man in eine Vorbeuge geht.
  • Für eine bessere Bewegungsfreiheit bei Drehungen haben die Shirts am Saum Schlitze. 
  • Die Hosen sind schmal geschnitten und haben am Saum Bündchen, damit nichts hochrutscht. 
  • Außerdem haben sie einen höheren und elastischeren Bund, damit einem nicht der halbe Po raushängt, wenn man im herabschauenden Hund oder in der Vorbeuge steht.
  • Laufklamotten haben häufig Belüftungslöcher. Beim Yoga braucht man die nicht unbedingt. Dafür gibt es weniger Nähte, weil das angenehmer ist, wenn man zum Beispiel die Knie am Boden hat.
"Yoga-Klamotten sehen nicht so mega high-tech-funktional aus. Alles ist ein bisschen weicher und sanfter."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Natürlich ist das alles sehr relativ, sagt Anke. Theoretisch können Männer wie Frauen natürlich auch in einer simplen Baumwollleggings Yoga machen. Das passt aber natürlich nicht zu dem Lifestyle, der für viele dazu gehört.

Der Yoga-Lifestyle

Die meisten, die mit Yoga mehr als nur ein bisschen sportliche Betätigung verbinden, möchten "achtsam und spirituell, aber dabei nicht uncool" sein, erklärt Anke. Dazu gehört auch, dass man die Yogaklamotte im Idealfall nach der Yogastunde auch noch auf der Straße tragen kann.

"Achtsamkeit und Selbstliebe sind hip und modern, und das wird natürlich auch wirtschaftlich ausgeschlachtet, wo es nur geht."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk Nova

Beispiel Räucherstäbchenhalter: Die sehen jetzt nicht mehr aus, wie aus dem Esoterikladen. Stattdessen kauft man die jetzt in Shops, die sich auf Achtsamkeit im hippen Gewandt spezialisiert haben: Die Räucherstäbchenhalter dort sind aus Messing oder Rosenquarz und können über 200 Euro kosten. Für die passenden handverlesenen Räucherstäbchen müsst ihr mit 60 Euro pro Packung rechnen. 

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