Runde Zahlen ordnen wir anders ein als krumme. Das haben Forschende aus den USA jetzt in einer Studie herausgefunden. Runde Zahlen kommen uns außerdem teilweise höher vor, obwohl sie es gar nicht sind.

Krumme Zahlen können wir uns schlechter merken als runde. Generell gilt: Wenn wir Zahlen hören oder sehen, merken wir uns weniger die genaue Ziffernfolge, eher ordnen wir sie direkt ein – zum Beispiel als hoch oder niedrig.

Runde Zahlen wirken größer

In seiner Studie hat das us-amerikanische Forschungsteam die Teilnehmenden verschiedene Prüfungsergebnisse bewerten lassen. Eine Gruppe erhielt die Information, dass eine Studentin 81,64 Prozent der Prüfungsaufgaben richtig beantwortet habe. Die andere Gruppe las, dass die Studentin 80 Prozent der Aufgaben korrekt gelöst habe. Die zweite Gruppe schätzte die Studentin als erfolgreicher ein.

"Wenn wir eine Zahl wie 81,64 sehen, stolpern wir darüber. Wir halten inne, um zu überlegen, was das nun bedeutet."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Die Erklärung der Forschenden: Wenn wir eine runde Zahl wie 80 Prozent sehen, dann können wir diese Zahl direkt einordnen. Wir wissen: 80 Prozent ist viel.

81,64 ist dagegen eine eher ungewöhnliche Zahl. Wenn wir so eine Zahl hören oder sehen, müssen wir länger nachdenken, um sie einzuordnen, erklärt Sabrina Loi von den Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten. Wir überlegen, was die Zahl bedeuten kann und wo sie auf der Skala zu finden ist. Als Vergleichswert dient uns wahrscheinlich die 100. Im Vergleich zu 100 Prozent sind 81,64 Prozent wenig. Das Ergebnis: Wir bewerten die Zahl nicht so hoch.

Effekt gilt auch umgekehrt

Das funktionierte in der Studie auch umgekehrt: Wurde in der Aufgabe gesagt, der Prüfling habe 18,26 Prozent der Fragen falsch beantwortet, kam diese Zahl den meisten höher vor, als wenn es sich um 20 Prozent handelte. Das liegt daran, dass die Probanden länger nachdenken und abwägen, sagt Sabrina Loi.

"Nicht nur unser Kopf, auch unsere Augen bleiben bei krummen Zahlen hängen."
Sabrina Loi, Deutschlandfunk Nova Wissensnachrichten

Krumme Zahlen fordern unseren Kopf dazu auf, erst mal nachzudenken. Das lässt sich sogar beobachten. In ihren Untersuchungen und Experimenten haben die Forschenden auch die Augenbewegungen der Teilnehmenden untersucht, wenn sie Texte mit Zahlen lesen sollten. Bei krummen Zahlen blieben die Augen wesentlich länger hängen als bei runden.

Zahlen haben unterschiedliche Effekte auf unser Denken

Auf- oder Abrunden ist aber trotzdem nicht immer der bessere Weg, erklärt unsere Nachrichtenredakteurin. Denn es komme darauf an, wie die Zahlen bei einem Gegenüber ankommen sollen.

Möchte beispielsweise eine Gesundheitsbehörde die Zahl der Kinder, die einmal an den Folgen von Zigarettenkonsum sterben, größer und abschreckender darstellen und uns zum Nachdenken anregen, ist es sinnvoll, 7,69 Prozent zu schreiben, anstatt diese Zahl auf 8 Prozent zu runden.

So lassen sich bestimmte Darstellungsweisen für die eigenen Zwecken nutzen. Und je nachdem, welche Zahlen wir sehen, können wir auch Rückschlüsse darauf ziehen, wie sie wirken sollen.