Das Ziel des Projekts "Human Cell Atlas" ist es, alle Zellen im menschlichen Körper zu erfassen. Davon erhoffen sich die Forschenden eine bessere Diagnose und Behandlung von Krankheiten, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Klaus Jansen.

Nach dem Erbgut kartieren Forscher*innen nun erstmals sämtliche Zellen des Menschen. Für diesen Zellatlas haben Tausende Wissenschaftler*innen weltweit Zelltypen analysiert und in groben Karten zusammengetragen. Der "Human Cell Atlas" sei so eine Art "molekulare Landkarte", sagt Sarah Teichmann, eine der Studienautorinnen.

Sie sagt auch, dass das Projekt noch nicht fertig sei. "Auf der Karte gibt es schon noch weiße Flecken. Aber es ist ein großer Fortschritt, den wir erzielt haben", so Teichmann. Die Teams präsentieren den Stand ihrer Arbeit gerade im Magazin "Science".

Dem Zellatlas haben wir beispielsweise auch zu verdanken, dass wir sehr früh in der Coronapandemie um die Wichtigkeit eines Mund- und Nasenschutzes für unsere Gesundheit wussten, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Klaus Jansen.

Zellatlas half auch in der Corona-Pandemie

Denn mit seiner Hilfe lässt sich sehen, in welchen Geweben es Angriffsstellen für Corona- oder Grippeviren gibt. Das Team von Teichmann wies schon im März 2020 nach, dass das Virus gut in der Nasenschleimhaut andocken kann und wir uns so mit Corona infizieren können.

"Wenn du Gewebe von gesunden und erkrankten Menschen untersuchst und vergleichst, dann kannst du sehen, was sich auf Zell-Ebene verändert hat."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Ganz prinzipiell kann der Zellatlas bei der Diagnose und Behandlung von Krankheiten helfen. Indem Forscher*innen das Gewebe von gesunden und erkrankten Menschen untersuchen und vergleichen, können sie feststellen, was sich auf Zell-Ebene verändert hat.

Das kann nicht nur bei der Behandlung, sondern auch bei der Medikamenten-Forschung helfen. "Forschende können erst mal im Zellatlas nachsehen, welche Nebenwirkungen wohl in den verschiedensten Organen zu erwarten sind", sagt Klaus Jansen. "Und das bevor überhaupt klinische Studien starten."