Weil der Regenwald ein wichtiger CO2-Speicher ist, hätte seine Zerstörung weitreichende Folgen fürs Klima und damit auch für den Menschen. Einer neuen Studie zufolge könnte die Zerstörung des Amazonas bald aber schon soweit fortgeschritten sein, dass sie nicht mehr umkehrbar ist.

Seit Anfang der 2000er-Jahre hat der Amazonas-Regenwald immer weiter an seiner Widerstandsfähigkeit eingebüßt. Das fand ein deutsch-britisches Forscher*innenteam heraus. Demnach hat bei mehr als 75 Prozent des Waldes die Fähigkeit, sich von Dürren oder Bränden zu erholen, nachgelassen.

Die Wissenschaftler*innen untersuchten die Resilienz des Waldes mithilfe von Satellitendaten aus 25 Jahren. Dafür checkten sie die Blattdichte der Bäume und die Menge der Biomasse im Regenwald. So konnten sie herausfinden, wie schnell sich einzelne Amazonas-Abschnitte nach Krisen wie trockenen Zeiten, Dürre-Perioden oder Bränden erholen.

"Der Wald sieht jetzt vielleicht noch intakt aus, er hat aber kaum noch Widerstandsfähigkeit."
Klaus Jansen, Deutschlandfunk Nova, über die Resilienz des Waldes

Die Forschenden fanden heraus, dass der Regenwald immer länger braucht, um sich wieder zu erholen. In mehr als drei Vierteln des Amazonas-Beckens hat sich diese Widerstandsfähigkeit demnach merklich verringert.

Das System Regenwald ist gestört

Eigentlich ist Trockenheit für den Amazonas nicht so ein großes Problem. Denn er kann sehr viel des Regens, den er benötigt, selber produzieren. Im dichten Wald verdunsten große Mengen Wasser. Die kühlen anschließend ab und regnen wieder auf den Wald herunter. Doch dieses System ist gestört. Durch den Klimawandel wird es zunehmend wärmer und trockener. Hinzu kommt, dass die Waldfläche, aus der die Feuchtigkeit aufsteigt, durch Brandrodungen immer kleiner wird.

Sollte der Amazonas-Regenwald zur Savanne werden, hätte das zunächst Folgen für Südamerika, weil der Regenwald eng mit dem Regen auf dem Kontinent zusammenhängt. Es hätte aber auch Auswirkungen auf die Artenvielfalt und auf den globalen CO2-Haushalt, erklärt Niklas Boers vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Niklas Boers, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
"Erstmal würde ein massenhaftes Artensterben passieren – ein Zehntel aller weltweit existierenden Arten sind in dem Regenwald beheimatet. Außerdem wäre es für den gesamten Kontinent Südamerika dramatisch, weil der Regenwald essenziell ist für das Monsun-System."

Seit 1970 sind knapp 20 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zerstört oder abgeholzt worden. Die Fläche wurde hauptsächlich für die Produktion von Holz, Soja, Palmöl, Biokraftstoffen und Viehzucht benötigt. Seit dem Amtsantritt des Präsidenten Jair Bolsonaro hat die jährliche Abholzung im brasilianischen Amazonas sogar den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht.

Ohne Regenwald beschleunigt sich die Erderwärmung schlagartig

Aus all diesen Gründen wird der Regenwald immer trockener. Die Forschenden sprechen in ihrer Studie deshalb von einem sogenannten Kipppunkt. Das ist der Punkt, an dem es für den Regenwald kein Zurück mehr gibt und er unumwandelbar zu einer Savannen-Landschaft wird. Die Wissenschaftler*innen gehen davon aus, dass dieser Kipppunkt näher ist als wir denken. Eine konkrete Jahreszahl nennen sie aber nicht.

Das ist deshalb so ein großes Problem, weil eine Savanne kaum noch CO2 binden kann, so wie es jetzt noch der Regenwald macht, erklärt Klaus Jansen. Denn dadurch würde sich die Erderwärmung schlagartig beschleunigen.

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