Gnotschi, Expresso und Schoritzo - Aussprachefails wie diese gibt es eine ganze Menge. Viele Wörter werden aber einfach nur regional unterschiedlich ausgesprochen.

Es gibt viele Wörter, die deutschlandweit ganz unterschiedlich ausgesprochen werden. "Das klingt dann nur regional komisch", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christoph Sterz. Ob Kina, China oder Schina ausgesprochen - Germanisten nennen dies "regionale Standardvarianten". Falsch sind diese Aussprachen deshalb nicht automatisch.

Kein offizieller Katalog für richtige Aussprache

Stefan Kleiner vom Institut für Deutsche Sprache nennt das Wort, das er "Kemie" ausspricht, als Beispiel. In Mittel- oder Norddeutschland sagen viele Menschen dazu auch "Schemie". Nachrichtensprecher formen einheitlich das Wort "Chemie". Sinnvoll findet der Sprachwissenschaftler das aber nicht.

"Ich kann Sendeanstalten verstehen, die das auf eine Aussprache normieren wollen, aber für die allgemeine Bevölkerung ist das natürlich nicht sinnvoll."

Eine Normierung ist für die allgemeine Bevölkerung nicht sinnvoll, weil eine gewisse Aussprache in bestimmten Gegenden einfach weit verbreitet ist. Auch der Duden nimmt unterschiedlichen Aussprachen mittlerweile auf - wenn sie nur häufig genug vorkommen.

"Balkon oder Balkong, Engagement oder Engaschmeng. Das ist unserer Ansicht nach alles zulässig, weil es üblich ist. Es gibt bei der Aussprache keinen offiziellen Katalog, wo drin stehen würde: So oder so ist es richtig."

Diskriminierung wegen der eigenen Sprachfärbung ist verboten - sogar laut Grundgesetz. Wer in der Uni deshalb eine schlechte Note bekommt, wird ganz klar diskriminiert. Dass mittlerweile Hochdeutsch-Anti-Dialekt-Kurse angeboten werden, macht die Sache noch schlimmer, weil die Dialekte aussterben und Vielfalt verloren geht, sagt Stefan Kleiner.

"Das Deutsche wird sprachlich immer mehr vereinheitlicht. Das war mal regional sehr vielfältig. Die Dialekte sterben aus. Dann wäre es immerhin schön, wenn regionale Standardvarianten noch überleben."

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