Baden mit Bakterien - klingt nicht so cool. Aber keine Panik: Auch wenn Badeseen oder Naturfreibäder auf Chlor verzichten, ist die Gefahr, sich dort was einzufangen, trotzdem sehr gering.

Bei dem Wetter ab und ins Wasser, das steht fest. Wohin aber genau? Freibad, Naturfreibad, Badesee? Die Infektionsgefahr ist jedenfalls überall gering. Ein paar Unterschiede gibt es trotzdem. Der größte: Chlor oder kein Chlor.

Freibäder

Künstliche Freibäder sind künstlich angelegte, geflieste Becken ohne jegliche Pflanzen und Sand. 

In normalen Freibädern sorgen Reinigungsfilter und Chlor für die Desinfektion. Das ist zuverlässig und sorgt für ein keimfreies Wasser. Allerdings entstehen dabei Desinfektions-Nebenprodukte, die zum Beispiel zu Schleimhautreizungen oder Außenohrentzündungen führen können. 

Für Freibäder wie für Naturschwimmbäder regelt das Infektionsschutzgesetz die zulässige Keimbelastung im Wasser. 

"Chlorungsnebenprodukte können die Schleimhaut reizen."
Christiane Höller, Vorsitzende der Schwimm- und Badebeckenwasserkommission beim Umweltbundesamt

Naturfreibäder

Naturfreibäder sind ebenfalls künstliche angelegte Becken, allerdings in der Natur. Im Wasser befinden sich Pflanzen und (kleine) Tiere. Der Boden ist oft künstlich abgedichtet, besteht aber aus Sand, Erde oder Steinen.

In Naturfreibädern soll eine natürliche Mikroflora aus Pflanzen und Sand das eliminieren, was vom Menschen abgegeben wird. Das klappt mal besser, mal schlechter. "Da ist auch Fingerspitzengefühl des Betreibers gefragt", sagt Christiane Höller, Vorsitzende der Schwimm- und Badebeckenwasserkommission beim Umweltbundesamt. Die Infektionsgefahr sei hier ein bisschen höher als im Freibad und Badesee - aber auch für Naturfreibäder gilt das Infektionsschutzgesetz.

Badeseen

Badeseen sind natürliche Seen ohne Abdichtung, aber immer mit Zufluss - zum Beispiel über Bäche oder das Grundwasser. Künstlich geschaffene Baggerseen fallen auch unter diese Kategorie. Die Größe variiert stark. Auch der Bodensee gilt als Badesee.

"Im Bodensee ist ein Badegast gar nichts."
Christiane Höller, Vorsitzende der Schwimm- und Badebeckenwasserkommission beim Umweltbundesamt

Für die Hygiene in Badeseen ist das EU-Recht zuständig, das die einzelnen Staaten umsetzen müssen. In Deutschland regeln das die einzelnen Länder. Das EU-Recht erlaubt zwar höhere Grenzwerte für Badeseen als etwa für Freibäder - das bedeute aber kein höheres Infektionsrisiko, meint Christiane Höller.

"Die Bakterien, die vom Menschen direkt abgegeben werden, werden im Badesee sehr stark verdünnt und abgeschwächt, deshalb gelten dort höhere Grenzwerte", sagt Christiane Höller.

Geringes Infektionsrisiko beim Baden insgesamt

Wenn Badegäste mit Keimen infiziert werden, sind sie vor allem von Durchfallerkrankungen betroffen. Deswegen rät Christiane Höller Menschen mit Durchfall davon ab, baden zu gehen - egal wo. Insgesamt sei das Infektionsrisiko für Badegäste aber so gering, dass wir es uns einfach aussuchen sollten, wo wir am liebsten baden.

"Kinder und Erwachsene, die Durchfall haben, sollten nicht in eine öffentliche Badeanstalt gehen. Tun sie aber leider."
Christiane Höller, Vorsitzende der Schwimm- und Badebeckenwasserkommission beim Umweltbundesamt

Obwohl die meisten Badegewässer in Deutschland gute Wasserqualität aufweisen, gibt es vereinzelte Seen, von denen offiziell abgeraten wird. Für jedes einzelne Gewässer in Deutschland ist die Wasserqualität auf der Seite des Bundesumweltamts hier aufgeführt.

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