Lady Gaga singt davon: Wir suchen uns unsere sexuelle Orientierung nicht aus, sondern werden damit geboren. Forscher suchen nach biologischen Erklärungen der Homosexualität.

Anfang der Neunziger war es das X-Chromosom. Der Forscher Dean Hamer glaubte, die Wurzeln der sexuellen Orientierung dort gefunden zu haben. Aber ganz so einfach ist es nun auch nicht. Aktuell sorgen wieder zwei Studien für Schlagzeilen.

Die Gene sind Schuld

Eine aktuelle Studie hat herausgefunden, dass Genvarianten bei homosexuellen Männern häufiger vorkommen. Das eine Gen ist im Gehirn aktiv, und zwar in einer Region, die sich bei Schwulen und Heteromännern subtil unterscheidet. Das andere Gen hat etwas mit dem Schilddrüsenhormon zu tun, was frühere Befunde bestätigt, denn homosexuelle Männer haben etwas häufiger Probleme mit der Schilddrüse.

"Weil die Studie also relativ klein war, sind die Ergebnisse statistisch nicht sehr belastbar."
Volkart Wildermuth, Deutschlandfunk Nova

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Volkart Wildermuth sagt, dass diese beiden Genvariationen höchstens einen winzigen Einfluss haben. Ob ein Mensch homosexuell wird oder nicht, werden wir auch in Zukunft nicht mit einem simplen Test herausfinden. Wenn größere Studien den Effekt dieser Gene im Gehirn und in der Schilddrüse bestätigen, dann hilft das vielleicht zu verstehen, wie sich sexuelle Vorlieben ausprägen.

Schwule Männer haben häufig ältere Brüder

Eine zweite Studie widmet sich einer vielfach bestätigten Beobachtung: Schwule Männer haben häufiger ältere Brüder als heterosexuelle Männer. Wenn man die Zahlen überschlägt, dann geht die Männerliebe im Durchschnitt bei jedem siebten Schwulen auf den „ Ältere Brüder Effekt“ zurück. Bei sechs von sieben Homosexuellen muss man nach anderen Erklärungen suchen. Es ist also ein eher kleiner Effekt, aber eben der gewichtigste, den man bislang hat nachweisen können. 

"Aber auch hier gilt: Es gibt viele Schwule ohne älter Brüder und viele, viele Männer mit älteren Brüdern, die Frauen lieben. Also für einen Test taugt auch dieser Effekt nicht."
Volkart Wildermuth, Deutschlandfunk Nova

Immunsystem der Mutter 

Aus Sicht der Mutter ist das Kind in der Gebärmutter ein Fremdkörper, und ganz besonders gilt das für männliche Babys. Trotz diverser Schutzmechanismen entwickeln werdende Mütter eine leichte Abwehrreaktion. Bei der ersten Schwangerschaft stört die nicht und bei der nächsten meistens auch nicht. Aber es könnte sein, dass Frauen bei mehreren Schwangerschaften mit Jungen eben doch Antikörper entwickeln, die dann, so die Theorie, Einfluss auf die Hirnentwicklung haben könnten. 

Kanadische Forscher haben bei Müttern von homosexuellen Männern Antikörper nachgewiesen, die Nervenverbindungen verändern könnten. Die Details sind noch unklar, aber immerhin: Hier wird ein konkreter Mechanismus vorgeschlagen. Aber auch dieser erklärt bestenfalls einen kleinen Teil der Vielfalt der sexuellen Vorlieben.

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