Ein Mehrparteienstaat, kaum Korruption und ein relativ hohes Pro-Kopf-Einkommen – Botswana gilt als demokratisches Musterland mit rund zwei Millionen Einwohnern, vielen Diamanten und sehr vielen Elefanten. Insgesamt 130.000 graue Riesen leben dort – die größte Elefantenpopulation weltweit. Jetzt könnten sie den Wahlausgang mitbestimmen.

Sie fliehen aus Nachbarländern – vor Wilderern und auf der Suche nach Nahrung. Immer mehr Elefanten siedeln sich im sicheren Botswana an. Denn die Hälfte des Landes steht unter Naturschutz. Da die Nationalparks nicht umzäunt sind, können sich die Elefanten frei bewegen. Ein Segen für die Tiere, ein Fluch für die Bauern, sagt ARD-Korrespondentin für das Südliche Afrika, Jana Genth.

"Die Elefanten wissen, wo sie Nahrung finden, nämlich auf den Feldern der Bauern. Deshalb kann man sich schon vorstellen, dass der Konflikt zwischen Mensch und Tier immer größer wird. Es geht um Ressourcen, um Fläche, um Wasser und um Nahrung."
Jana Genth, ARD-Korrespondentin für das Südliche Afrika

Erst vor wenigen Monaten wurden die Elefanten ganz offiziell wieder zum Abschuss frei gegeben. Der Bestand sei ausreichend groß und beeinträchtige die Landwirtschaft – so hat das Umweltministerium die Entscheidung begründet. Die Jagd auf Elefanten spaltet seitdem die Bevölkerung. Die Landbevölkerung freue es, sagt Jana Genth. Die Menschen in der Stadt würden das ganz anders sehen. Für sie bedeuten die Elefanten neue Jobs in der Tourismusbranche.

Elefantenjagd spaltet das Land

Die Elefanten sind Wirtschaftsfaktor und Problem zugleich. Ein großes Streitthema, was auch ganz aktuell bei der Parlamentswahl eine bedeutende Rolle spielt. Denn bislang glänzte Botswana aufgrund seiner politischen und wirtschaftlichen Stabilität. Doch die Kluft zwischen Arm und Reich wird auch dort immer größer.

"Die soziale Kluft wird immer größer: geringer Mindestlohn, viele junge Menschen sind arbeitslos, insgesamt 18 Prozent der Botswaner haben keinen Job mehr und man braucht einfach Konzepte für die Zeit nach dem Diamanten-Boom."
Jana Genth, ARD-Korrespondentin für das Südliche Afrika

Die Kommunal- und Parlamentswahlen, die am 23. Oktober stattgefunden haben, könnten für das Land richtungsweisend sein, sagt die ARD-Korrespondentin. Ausgezählt sind die Stimmen noch nicht, aber laut Umfragen verändere sich die politische Landschaft. Die Opposition gewinne voraussichtlich an Einfluss, sagt Jana Genth. Nach 53 Jahren könnte es für die Regierungspartei Democratic Party im Parlament schwieriger werden. BDPs früherer Parteichef und ehemaliger Präsident Botswanas, Ian Khama, ist auf die Seite der Opposition gewechselt, wie die Deutsche Welle berichtet.

Wahlhelfer zählen Wahlzettel an einem Tisch aus.
© imago images / Xinhua
Stimmenauszählung in der Hauptstadt Gaborone

Mehr Mitsprache der Opposition im Parlament könnte mehr Sozialreformen, aber auch mehr Naturschutz bedeuten. Denn sie fordert die Elefantenjagd wieder zu verbieten. Dafür müssen man auch die Landbevölkerung mit ins Boot holen, fordert die Opposition. Gleichzeitig müssen entschlossen gegen Trophäenjagd und Elfenbeinhandel vorgegangen werden.

Mehr Arbeitsplätze könnten nach Aussagen der Opposition im Bereich Tourismus geschaffen werden; Botswana sei bekannt für luxuriöse und traumhafte Safaris, berichtet Jana Genth.