Viele Menschen nutzen die Weihnachtszeit, um mal wieder ordentlich Zeit mit Brettspielen zu verbringen. Sebastian Sonntag schaut sich zusammen mit Spiele-Profi Frank Zirpins die Dauerbrenner seit den 80ern an.

Wahrscheinlich gibt es nur wenige Menschen, die so viele Spiele zu Hause haben, wie Frank Zirpins. Der Gesprächspartner von Deutschlandfunk-Nova-Moderator Sebastian Sonntag wird auf Klassentreffen gerne mal gefragt, ob er immer noch so viel spielt? Ja, tut er. Und deshalb ist es für ihn ein leichtes, zusammen mit Moderator Sebastian Sonntag auf einige der besten Spiele aus vier Jahrezehnten zu schauen. Angefangen bei den 80ern.

Brettspiele sind Zusammenkunft und Entspannung in einem geschützten Raum

Frank Zirpins wundert es nicht, dass gerade in der Weihnachtszeit viel gespielt wird. Für ihn sind Brett- und Gesellschaftsspiele Entspannung, Zusammenkunft von Menschen, aber auch Spannung, wie er sagt: "Weil du die bessere Strategie haben willst, und zeigen willst, wie schlau du bist." Aber er sagt auch, dass Spielen etwas so Wunderbares ist, weil wir dabei in einem geschützten Raum sind und alles, was wir innerhalb des Spiels erleben, und wie wir handeln, keine Auswirkungen auf die reale Welt hat.

Sebastian Sonntag und Frank Zirpins stellen euch zwei Stunden lang einige der Spiele vor, die typisch für ihr Jahrzehnt waren, und die sie einfach gerne gespielt haben. 

Spiele der 80er

Spiele-Profi Frank Zirpins stellt unter anderem das Spiel "Junta" vor. Hierbei geht es um einen Konflikt in einer fiktiven mittelamerikanischen Diktatur. Alles ist in knalligen Farben dargestellt. Idealerweise wird Junta mit mehreren Personen gespielt - am allerbesten mit sieben Leuten. Frank Zirpins hat mit diesem Spiel bereits unzählige Nachmittage verbracht und viel Spaß dabei gehabt. Vor allem hat er dabei erlebt, wie Menschen ihre schlechten Putschisten-Seiten herauskehren, sagt er. Das Spiel endet, wenn der Stapel mit den Entwicklungshilfegeldern weg ist. Es gewinnt derjenige, der am meisten Geld auf sein Schweizer Bankkonto geschafft hat.

Ebenfalls aus den 80ern ist "Das Fantasy Rollenspiel". Frank Zirpins holt es mit einem Lächeln auf den Lippen raus und sagt: "In den 80ern war das der heiße Scheiß." Es ist ein Rollenspielbuch, das alleine gespielt werden kann. Es besteht aus 400 Paragrafen, die aber nicht chronologisch durchgespielt werden müssen. Der Einstieg in ein Fantasy-Abenteuer, sagt der Spieleprofi. Die Erlebnisse aus diesem Spiel seien bis heute hängen geblieben. 

Spiele der 90er

Eins der Spiele, die Sebastian Sonntag und Frank Zirpins aus den 90ern vorstellen, ist Tikal. Bei diesem Spiel bewegen sich die Spieler durch einen Urwald - sie werden zu Archäologen und wollen verborgene Tempel entdecken. Tikal ist eins der ersten Spiele, sagt Frank Zirpins, das für eine breite Masse das Konzept mit den Aktionspunkten eingeführt hat. Hier haben wir ein Budget von zehn Punkten, und wenn wir diese aufgebraucht haben, ist das Spiel zu Ende. Das Spannende hier sei, dass schon allein im Einsatz der Punkte viel Strategie liegt.

Ein weiteres Spiel aus den 90ern heißt Bohnanza. Auch das ist ein Strategiespiel. Jeder bekommt fünf Karten – alles Bohnenkarten - und so wie sie auf der Hand landen, bleiben sie auch; die Reihenfolge wird nicht mehr geändert. Vor uns liegt ein Spielbrett mit Bohnenfeldern und ds Ziel ist es, die Bohnenkarten möglichst gewinnbringend einzupflanzen und am Ende die meisten Goldstückchen zu sammeln.

Spiele der 00er

Die beiden Spielnerds packen das Spiel Puerto Rico aus - ein Brettspiel. Dabei wird versucht, Felder zu bestellen. Es werden Gebäude errichtet, sowie Fabriken und Produktionsfelder angelegt. Ziel ist es, zu ernten und die Produkte in die alte Welt zu verschicken. Frank Zirpins mag das Spiel sehr - aber es habe einen Aspekt, der ihn stört, sagt er. Geerntet wird nämlich nicht von den Spielern selbst, sondern das erledigen so kleine dunkelbraune Scheiben.

"Eigentlich geht es bei diesem Spiel um Sklaverei. Es wird aber nicht explizit erwähnt."
Frank Zirpins, Spiele-Experte

In den letzten Jahren sei dieses Thema aber besser aufgegriffen worden in Spielen, sagt Frank Zirpins. Andere Spiele erwähnen explizit Kolonialismus und die Ausbeutung der dritten durch die erste Welt. Das Spiel Puerto Rico stellt er trotzdem gerne vor, weil es viele Menschen sehr begeistert, und weil es so komplex und vielschichtig ist. 

Spiele der 10er

In den 10er Jahren hat die Digitalisierung Einzug in die Brettspielwelt erhalten. Sebastian Sonntag und Frank Zirpins spielen "Villen des Wahnsinns". Wer das spielen möchte, braucht ein Notebook. Darauf läuft etwas, das aussieht wie ein Videospiel. Analog dazu liegt ein Lageplan aus Pappe, den die Spieler vor sich hinlegen - der Lageplan der Villen des Wahnsinns. Dazu gibt es Plastikfiguren. Das sind die Ermittler, die in die Häuser geschickt werden und Fälle aufklären sollen. Villen des Wahnsinns gehört zu der Art Hybridspiele, die typisch sind für die 2010er Jahre. Die digitale Komponente übernimmt die Bösen und die Guten werden von uns analog gespielt. Eine App steuert die Schwierigkeitsstufe. Frank Zirpins sagt, das Schöne hier ist, dass es beide Komponenten gibt: die digitale und die analoge. "Rein digital würde es aber nicht funktionieren."

Liste aller vorgestellten Spiele: 

  • Junta
  • Die Insel des Echsenkönigs
  • Phase 10
  • Magic
  • Keyforge
  • Die Siedler von Catan
  • Tikal
  • Bohnanza
  • Puerto Rico
  • Pandemie
  • Carcassonne
  • Villen des Wahnsinns
  • Scythe
  • Der siebte Kontinent

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