Der 3. Oktober 1990 ist ein wahrhaft welthistorischer Tag. Nur 329 Tage nach der Öffnung der innerdeutschen Grenzübergänge feiern die beiden deutschen Staaten, die als Folge des Zweiten Weltkriegs 45 Jahre voneinander getrennt waren, ihre Wiedervereinigung.

Mit dem Erfolg der freien Gewerkschaft Solidarność in Polen und den Bürgerrechtsbewegungen in der ČSSR und der DDR kommt Hoffnung auf, dass sich 1990 die Gegensätze zwischen Ost und West auflösen.

Die Schlagworte "Glasnost" und "Perestroika", mit denen der KPdSU-Generalsekretär Michail Gorbatschow die Reform des Ostblocks betreibt, sind dabei der Treibsatz für die Veränderungen in den Staaten Osteuropas.

"Aus der Sicht der Bundesrepublik wäre es auch damit getan gewesen, dass die DDR einfach beitritt und alle bundesdeutschen Regelungen übernimmt. Das wollte die DDR aber nicht."
HIstoriker Andreas Rödder über den Einigungsvertrag, den 2. deutschen Staatsvertrag

Für die Deutschen beginnt am Tag nach der Einigung der mühsame Weg hin zu einer Angleichung der Lebensverhältnisse in den "alten" und den "neuen" Bundesländern. Bald stellt sich heraus, dass dieses Unterfangen nicht nur mit Geld zu bewerkstelligen ist.

Motivwelt von Deutschlandfunk Nova

Schwieriger Übergang von einer Diktatur zu einer Demokratie

Das geeinte Land steht vor vielen Herausforderungen: rechtsextreme Anschläge auf Flüchtlingsheime oder heftige Debatten darüber, das sämtliche Errungenschaften der DDR bewusst verdrängt werden, um nur Beipsiele zu nennen.

Auch niedrigere Löhne und Renten in Ostdeutschland werden bis heute beanstandet. Diese und andere Transferleistungen machen deutlich, dass der Übergang von einer 40-jährigen Diktatur zu einer Demokratie schwieriger werden würde, als in der Euphorie nach der Öffnung der Grenzen erwartet worden war.

Ungleichheiten bis heute nicht beseitigt

Heute – 30 Jahre nach der Einigung – sind immer noch nicht alle Ungleichheiten beseitigt: Im Osten wählen mehr Menschen die rechtspopulistische AfD als im Westen und Löhne und Renten sind immer noch nicht auf dem gleichen Niveau.

Die Debatten über die Mängel bei der Einigung und über die Überwindung der deutschen und europäischen Teilung sind wichtig auf dem Weg zur Einheit. Ein Zurück bedeutet, unter den Folgen des Kalten Krieges und der Teilung des Kontinents zu leiden.

Ihr hört in Eine Stunde History

  • Der Historiker Andreas Rödder erläutert die Bedeutung des deutsch-deutschen Einigungsvertrags vom 30. August 1990
  • Rainer Eppelmann war Pfarrer und Bürgerrechtler des Demokratischen Aufbruchs bevor er Verteidigungs- und Abrüstungsminister im Kabinett von Lothar de Maizière wurde.
  • Dietmar Bartsch war 1990 Mitglied der SED-Nachfolgepartei PDS und sah damals wie heute mehr Vor- als Nachteile in der deutschen Wiedervereinigung.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld beschreibt die beiden Möglichkeiten einer deutschen Wiedervereinigung, die im Grundgesetz unter den Artikeln 23 und 146 zu finden waren.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Wiebke Lehnhoff kehrt noch einmal an den Ort der großen Jubelfeier in Berlin zurück, wo Tausende in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 1990 zwischen Reichstag und Brandenburger Tor die Deutsche Einheit feierten.