Die Nase läuft und der Hals kratzt – der Herbst ist da. Zeit für einen selbst gebrauten Erkältungstee – mit selbst gepflückten Kräutern. Jeannette Cwienk bloggt über Wildkräuter und weiß, was wir für einen guten Tee brauchen. 

Für einen guten selbst gemachten Erkältungstee braucht es zuerst einmal die richtigen Kräuter – am besten selbst gepflückt. Gut ist es natürlich, wenn wir bereits einen kleinen Vorrat an Wildkräutern gesammelt und getrocknet haben – denn im Herbst wächst nicht mehr so viel. Trotzdem gibt es noch ein paar Wildkräuter, die auch in den Herbstmonaten zu finden sind, sagt Jeannette. Denn in den meisten Regionen hat es dann noch keinen Frost gegeben.

"Der Herbst ist nicht gerade die Zeit, in der alles üppig sprießt, aber es gibt ein paar tapfere Kräuter, die noch wachsen, denn es hat in den meisten Regionen in Deutschland noch keinen Frost gegeben."
Jeannette Cwienk, Journalistin und Bloggerin

Diese Wildkräuter sind gut für Erkältungstee

Jeanette bloggt regelmäßig über Wildkräuter. Sie kennt ein paar Arten, die wir auch Anfang Herbst in der Natur finden können:

  • Wilde Minze
    Die wilde Minze wächst in der Nähe von Bächen oder Seen, also dort, wo es etwas feuchter ist. Wir können sie an ihren kleinen lila Blüten erkennen, die am Ende des Stängels recht dicht um diesen herum angeordnet sind – und am Geruch, wenn wir die Blätter zwischen den Fingern reiben. Die Pflanze hat viele ätherische Öle und eignet sich sehr gut für ein Dampfbad – und natürlich als Tee. Nach dem trockenen Sommer ist es dieses Jahr allerdings etwas schwieriger als sonst, die wilde Minze zu finden, sagt Jeannette.
Wilde Minze
© ZB | Fotorepor
Das ist Wilde Minze.
  • Spitzwegerich und Breitwegerich
    Diese Kräuter wachsen fast immer, sogar im Winter. Wir finden sie am Wegesrand und auf vielen Wiesen. Der Spitzwegerich hat lange schmale Blätter. Die Blätter des Breitwegerichs sind fast herzförmig und wesentlich kürzer als die des Spitzwegerichs. Beide haben starke Fasern, die in Wachstumsrichtung parallel durch die Blätter laufen. Beide Kräuter sind antibakteriell, sie wirken entzündungshemmend – wie die Minze. Außerdem haben sie viele Schleimstoffe, die bei einem entzündeten Hals gut tun und helfen, damit wir besser abhusten können. Daher sind sie auch in vielen regulären Erkältungstees oder Hustensirups enthalten.
Collage mit Spitzwegerich und Breitwegerich
© Collage Dlf Nova: dpa | imago | Chromorange
Links der Spitzwegerich, rechts der Breitwegerich.
  • Tannen, Fichten und Kiefern
    Auch mit diesen Nadeln können wir ein Dampfbad machen oder Tee aufbrühen – sie enthalten viele ätherische Öle. Aber wir sollten sie nicht über einen längeren Zeitraum zu uns nehmen: Denn ätherische Öle können auch reizen. Außerdem ist es ganz wichtig, die Tannen, Fichten oder Kiefern nicht mit den Eiben zu verwechseln. Meistens gehören die Nadelbäume auch jemandem, also im Zweifel lieber den Förster oder Besitzer fragen, bevor wir Äste abbrechen.

So wird der Tee aufgebraut

Für die Zubereitung des Tees mit einer Wegerich-Minze-Mischung empfiehlt Jeanette einen sogenannten Kaltwasserauszug, damit zum Beispiel die Schleimstoffe erhalten bleiben. Dafür lässt sie die frischen Kräuter mindestens zwölf Stunden in Wasser ziehen. Dieses Wasser gießt Jeanette anschließend durch ein Sieb. Von dem Tee soll über den Tag verteilt immer wieder ein paar Schlucke getrunken werden. Das sei kein Geschmackshighlight, dafür aber sehr heilsam, sagt Jeannette. Sie selbst gibt meistens noch etwas Honig bei.

Jeannette hat noch einen wichtigen Hinweis für alle, die befürchten, dass ein Tier schon gegen das Kraut gepinkelt hat: In diesem Fall sollten wir den Tee lieber kochen.

"Wenn man aber befürchtet, dass Nachbars Fiffi sein Beinchen über den Spitz- oder Breitwegerich gehoben hat, dann sollte man besser einen Tee kochen."
Jeannette Cwienk, Journalistin und Bloggerin

Auch Wildfrüchte eignen sich für Tee

Wer gut in Pflanzenkunde ist, kann auch nach Sanddorn oder Hagebutten suchen. Denn die enthalten sehr viel Vitamin C. Wenn sie bereits am Strauch getrocknet sind, können wir sie direkt als Tee aufbrühen, sagt Jeanette. Auch wenn sie noch prall sind, können wir sie nutzen: Entweder direkt essen (bei der Hagebutte vorher die Kerne entfernen) oder zum Beispiel in einem Smoothie verarbeiten oder kurz pürieren und über das Müsli geben. So bleiben die meisten Vitamine erhalten.

Collage aus Sanddorn und Hagebutte
© Collage Dlf Nova: picture alliance | Bernd Wüstneck | dpa
Links der Sanddorn, rechts die Hagebutte.

Es ist auch möglich, mit Sanddorn und Hagebutten einen sogenannten Sauerhonig oder Oxymel herzustellen. Das soll die Abwehrkräfte steigern. Jeannette nimmt dazu Apfelessig, Honig und die Wildfrüchte. Die Hagebutte zerkleinert sie vorher. Dann mischt sie alles in einem Einmachglas und lässt das Ganze mindestens sechs Wochen an einem kühlen und dunklen Ort ruhen. Danach nimmt sie immer wieder ein Löffelchen, um ihre Abwehrkräfte zu stärken. 

Jeannette beschäftigt schon lange mit Wildkräutern, aber auch Neulinge können sich ihren selbst gepflückten Erkältungstee noch im Herbst zusammensuchen – wichtig ist nur, die richtigen Pflanzen zu finden. 

Das Titelbild ist ein Symbolbild und bildet nicht den von Jeannette gebrauten Tee ab.

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