Von der Veröffentlichung einer Adresse bis hin zur Androhung physischer Gewalt: Subtile als auch offensive Einschüchterungen nehmen in unserer Gesellschaft zu, sagt der Psychologe Jens Hoffmann - und gibt Rat, wie Opfer sich am besten verhalten sollten.

Wer sich gegen das Zeigen von Nazi-Symbolen engagieren will, kann die entsprechenden Personen zum Beispiel anzeigen. Das Problem: Normalerweise erfahren die Angezeigten Namen und Adresse der Person, die die Anzeige stellt. Das heißt: Diese muss damit rechnen, von den Nazis bedroht zu werden.

Einschüchterungen sind auf verschiedenen Ebenen möglich, sagt der Psychologe Jens Hoffmann. Auch mit demokratisch legitimen Mitteln könnten Menschen eingeschüchtert werden - zum Beispiel mit einer Anzeige bei der Polizei. In einer nächsten Stufe sind es dann Andeutungen, die Angst auslösen sollen. "Vor allem, wenn es in den privaten Bereich geht, ist das häufig sehr belastend und leider auch wirkungsvoll", so der Psychologe, deshalb dürfe man verbale Einschüchterungen auf keinen Fall unterschätzen. 

"Ich finde, wir haben in Deutschland ein großes Problem, dass wir Gewaltandrohungen eigentlich bagatellisieren. In anderen Ländern ist das anders."
Jens Hoffmann, Psychologe

Verbale Bedrohungen hätten auch dann für Betroffene oft dramatische Folgen, sagt Hoffmann, wenn die Wahrscheinlichkeit gering ist, dass es tatsächlich zu physischer Gewalt kommt - weil die Bedrohung immer in der Luft schwebt und der Betroffene nicht weiß, wann was passieren wird.

Der Psychologe rät Betroffenen, sich nicht zu isolieren und Unterstützer zu finden. Auch die Polizei könne helfen, allerdings könne sie erst dann tätig werden, wenn etwas passiert ist. Ansonsten sollten Opfer versuchen, sich unbeeindruckt zu geben und keine Angst zeigen - auch wenn das nicht der Fall ist.

"Wenn ich Angst signalisiere, dann gebe ich eine Treffermeldung ab. Und das zeigt dem anderen: 'Das funktioniert, ich kann ihn mit Drohungen und Einschüchterungen unter Druck setzen.'"
Jens Hoffmann, Psychologe