Die EU lässt entfettetes Pulver von Grillen in Lebensmitteln zu – zu einem kleinen Prozentsatz. Und ohne Kennzeichnung landen sie auch nicht im Essen.

Manch einen mag es ein wenig ekeln, Grillen, Wanderheuschrecken oder Mehlwürmer zu verzehren. Andere wiederum sehen den Nutzen für unsere Ernährung und Umwelt und finden es möglicherweise innovativ und spannend. Sie haben möglicherweise schon allein deswegen Interesse daran, Lebensmittel zu probieren, die Insekten enthalten.

Dominik Peters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter
"Neuartige Lebensmittel müssen in der EU einen langen Zulassungsprozess durchlaufen."

Der gelbe Mehlwurm und Heuschrecken sind in der Europäischen Union beispielsweise schon seit anderthalb Jahren als Lebensmittel erlaubt. Die EU hat genehmigt, dass nun auch das Mehl von Grillen in Lebensmitteln enthalten sein darf.

Seit März 2022 durften diese Insekten bereits im Ganzen verkauft werden. Auch Getreideschimmelkäfer – als Larve in getrockneter oder gefrorener Form, als Mehl oder Paste – dürfen nun verwendet werden.

Insekten können vor allem in diesen Lebensmitteln enthalten sein:

  • Keksen
  • Nudeln
  • Brot
  • Frühstücksflocken
  • Fleischersatzprodukten
  • Getrocknet als Snack
  • Gemahlen, als Pulver oder als Paste

Kennzeichnung ist Pflicht

So eine Insektenzutat muss aber immer auf der Verpackung gekennzeichnet sein. Weil es dafür noch keine rechtlich vorgeschriebene Formulierung gibt, wird in der Zutatenliste der Lebensmittel erst einmal so etwas stehen wie "teilweise entfettetes Pulver aus Acheta domesticus (Hausgrille)".

"Die europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit hat den Verzehr wissenschaftlich untersucht und als gesundheitlich unbedenklich eingestuft. Und auch die Weltgesunheitsorganisation sagt: Das ist gesund."
Dominik Peters, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch wenn immer weitere Insekten als Lebensmittel zugelassen werden, zählen sie bei uns immer noch zu Nischenprodukten. Ihnen wird für die Zukunft mehr Bedeutung zugeschrieben, weil sie einen hohen Proteingehalt haben und außerdem reich an Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, Spurenelementen und bestimmten Mineralstoffen wie Magnesium und Phosphor sind.

"Es sind verschiedene Insekten in den letzten Jahren als Lebensmittel zugelassen worden. Das einzige Novum an der Sache: Jetzt darf auch teilweise entfettetes Pulver aus Hausgrillen eingesetzt werden."
Bernhard Burdick, Ernährungsexperte bei der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen

Mehr Insekten zu essen, wird daher von Experten als ein Lösungsansatz betrachtet, um Hungersnöte möglicherweise in den Griff zu bekommen und die wachsende Weltbevölkerung auch künftig ausreichend ernähren zu können. Manche gehen noch einen Schritt weiter und sagen, dass auch Konsumentinnen und Konsumenten zu Produzenten werden sollten, um ihr eigenes Essen aus Insekten herzustellen.

Zum Teil doppelt so viel Eiweiß wie in Rind- oder Hühnerfleisch

Einige Heuschrecken-Arten sollen mehr als doppelt so viel Eiweiß enthalten wie in Rind- oder Hühnerfleisch. Zudem ist ihre Zucht deutlich umweltfreundlicher und weniger ressourcenaufwendig als die Massentierhaltung von Rindern zum Beispiel.

Wer sich beispielsweise vegetarisch ernährt, weil er oder sie aus ethischen Gründen kein Fleisch aus Massentierhaltung essen möchte, für den- oder diejenige könnte Proteine aus Insekten eine Alternative zu konventionellem Fleisch darstellen.

Lebensmittel mit Insekten erhalten kein Veggie-Label

Die Kennzeichnung eines Lebensmittels das Insekten enthält, ist schon allein deswegen Pflicht, weil sie allergische Reaktionen auslösen können. Davon sind meist Menschen betroffen, die allergisch auf Krebstiere oder Hausstaubmilben reagieren können.

Insekten sind und werden also weiterhin in Produkten enthalten sein, die damit werben oder deren Verpackungen zumindest entsprechend gekennzeichnet ist. Die Gefahr, dass Insektenpulver genutzt wird, um Essen anzureichern oder aufzufüllen, ohne das wir das mitbekommen, besteht also nicht, sagt der Ernährungsexperte Bernhard Burdick von der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen.

Auch in vegetarischen und veganen Produkten wird Insektenpulver nicht zu finden sein, da es tierischen Ursprungs ist.

Eine weitere Möglichkeit, um Insekten zu verwerten, könnte sein, sie an Zuchttiere zu verfüttern – und den Import von Soja reduzieren, das teilweise auf Flächen wächst, für die Regenwald gerodet wurde.

"Dass uns nicht irgendwo Insekten untergeschoben werden, ist überhaupt keine reale Gefahr, weil Insekten als Lebensmittelzutat eine teure Lebensmittelzutat sind.“
Bernhard Burdick, Ernährungsexperte bei der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen
  • Moderation:  Tina Howard
  • Gesprächspartnerin:  Jana Niehof, Deutschlandfunk Nova