In Kiel wurde ein großer Kasten aufgestellt, der die Luft von Feinstaub und Stickoxid reinigt. Erste konkrete Tests kommen erst noch, doch schon jetzt gibt es Kritik. Unter anderem, weil der Kasten auf dem Radweg steht.

Kiel hat wie viele andere Städte in Deutschland ein Feinstaubproblem. Mit einem Luftreiniger soll sich das ändern. Ein Prototyp ist jetzt an einer Hauptverkehrsstraße aufgestellt worden und sorgt noch vor seinem Start für Hohn und Kritik.

Der Purevento Stadtluftreiniger kann laut Hersteller Feinstaub und Stickoxide aus der Luft filtern. Im Prinzip funktioniert der große Kasten wie ein Staubsauger. Nach München und Stuttgart steht Kiel laut Umweltbundesamt auf Platz drei der Städte, die die Grenzwerte für Stickoxid deutlich überschritten haben. Die EU erlaubt einen Grenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter - in Kiel waren es 2018 60 Mikrogramm

"Wir saugen Luft ein und führen ihn durch zwei Filterebenen gereinigt wieder nach außen."
Robert Krüger vom Unternehmen Purevento

Jetzt startet Kiel den Versuch, drohende Fahrverbote abzuwenden, indem es die Luft direkt dort wieder reinigt, wo sie verdreckt wird. Hotspot für den fünf mal zweieinhalb Meter großen Kasten ist der Theodor-Heuss-Ring - die Kieler Stadtautobahn.

Robert Krüger vom Unternehmen Purevento hofft auf deutliche Verbesserungen. "Wir saugen Luft in diesen hochfrequentierten und schadstoffüberladenen Bereich ein und führen ihn durch zwei Filterebenen gereinigt wieder nach außen", sagt er.

Tests der Luftreiniger starten erst noch

Zwei Wochen lang soll die mobile Anlage nun direkt neben der vierspurigen Straße stehen. In der Zeit soll geschaut werden, wie laut die Maschinerie ist, aber auch, wie sie von Verkehrsteilnehmern und Anwohnern angenommen wird und wie es mit der Stromversorgung klappt.

Danach soll der Prototyp noch in weitere Städte in Deutschland gebracht werden. Die eigentlichen Tests sollen aber erst in acht Wochen starten.

Skepsis an Effektivität

Der Stickoxid-Staubsauger befreit 85 Prozent der angesaugten Luft von Feinstaub und gasförmigen Schadstoffen. Würden sechs Anlagen auf dem knapp 200 Meter langen Abschnitt des Theodor-Heuss-Rings aufgestellt, dann ließe sich die Stickoxid-Belastung etwa um zehn Prozent senken, sagt Robert Krüger.

Das Umweltbundesamt hat Zweifel am Nutzen des Stickoxid-Filters. Von dort heißt es, dass Maßnahmen direkt am Auspuff effizienter seien, als Maßnahmen an der Außenluft. 

In Kiel sei die Luftverschmutzung immerhin noch sehr punktuell rund um den Theodor-Heuss-Ring. Als Modell für andere Städte sei es eher fragwürdig, da die Luftverschmutzung meist viel großflächiger sei und viele dieser großen weißen Kästen aufgestellt werden müssten.

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Was ebenfalls für Kritik sorgt: In Kiel wurde der Filter-Kasten auf einem Radweg aufgestellt. Ein Twitter-User merkt an, wenn er auf der Auto-Fahrbahn stünde, würde er ja allein dadurch schon für die Vermeidung von Stickoxiden sorgen.

Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland und des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs haben sich zum Pressetermin rund um den Stadtluftreiniger in weiße Overalls geschmissen, Mundschutz angezogen und halten Staubsauger in der Hand. Sie sagen: "Wir wollen das hier satirisch begleiten." 

"Ich habe das Gefühl, die Stadt wartet einfach, dass das Oberverwaltungsgericht Schleswig kommt, um dann wieder zu Maßnahmen gezwungen zu werden."
Ein Demonstrant

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