Ein Gericht in Istanbul ordnete am heutigen Donnerstag die Freilassung des Kölners Adil Demirci - aber auch ein vorläufiges Ausreiseverbot - an. Der 33-Jährige saß seit April in der Türkei in Haft. Ihm wurde vorgeworfen, Mitglied einer Terrororganisation zu sein.

Dem Kölner Sozialarbeiter und Journalisten Adil Demirci und seinen 22 Mitangeklagten wurde vorgeworfen, an Beerdigungen von Mitgliedern der verbotenen linksextremen MLKP und der kurdischen YPG teilgenommen zu haben. 

Ein Istanbuler Gericht hat am Donnerstag die Freilassung des Kölners aus der Untersuchungshaft angeordnet. Der 33-Jährige darf jedoch die Türkei für die weitere Dauer des Prozesses nicht verlassen. Demirci saß seit April vergangenen Jahres unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation in Haft. 

Prozess geht im April weiter

Karin Senz, ARD-Korrespondentin für die Türkei, sagt Demirci sei jetzt freigekommen, weil er zum einen mittlerweile über einen festen Wohnsitz in der Türkei verfüge und zum anderen zehn Monate in Untersuchungshaft gesessen habe. Der Staatsanwalt habe selber auf diese lange Zeit hingewiesen. Außerdem würden wohl keine weiteren Vorwürfe hinzukommen. Der Prozess werde aber am 30. April fortgesetzt, sagt Senz.

"Adil Demirci darf nicht nach Deutschland ausreisen. Er darf im Moment nicht einmal Istanbul verlassen. Und der Prozess geht weiter."
Karin Senz, ARD-Korrespondentin für die Türkei

Bei den Prozessen um Deniz Yücel, Mesale Tolu oder Peter Steudtner hat die Bundesregierung Druck auf die Türkei ausgeübt. Wie bei der Verhandlung im November sei aus Deutschland auch jetzt wieder eine Delegation für Demirci angereist. Darunter war auch der SPD-Abgeordnete Rolf Mützenich. 

Man könne das jetzige politische Eingreifen aber nicht mit den genannten vorherigen Prozessen vergleichen, so die Korrespondentin. 50 deutsche Staatsbürger würden sich im Moment noch in türkischer Haft befinden, darunter seien aber viele normale Straftäter.

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