Dass mit dem Start dieser Saison für Fußballer der ersten und zweiten Liga verpflichtend ein jährliches medizinisches Gehirn-Screening eingeführt wird, hält der Sportjournalist Max-Jacob Ost für einen guten ersten Schritt in die richtige Richtung. Fußballer müssen vor den gefährlichen Folgen von Gehirnerschütterungen besser geschützt werden, findet er.

Verbände, Vereine und auch Fußballer haben noch kein ausreichendes Bewusstsein dafür, wie gefährlich unbehandelte Gehirnerschütterungen sein können, sagt der Sportjournalist Max-Jacob Ost. Wie gefährlich eine Gehirnverletzung sein kann, die sich ein Fußballer während eines Spiels zuzieht, wird leider noch unterschätzt, kritisiert er. Vor allem, wenn sie – wie es immer wieder vorkommt – nicht festgestellt wird und der Fußballer weiter auf dem Feld bleibt und weiterspielt.

Im Fall des Spielers Karim Onisiwo war das im Spiel Mainz 05 gegen RB Leipzig im Frühjahr 2019 der Fall. Der Fußballer spielte weiter und schoss sogar noch ein Tor, an das er sich nach dem Spiel allerdings nicht mehr erinnern konnte.

"Wenn man eine Gehirnerschütterung hat, die man anhand von einigen Symptomen eigentlich nur in einer ruhigen Situation diagnostizieren kann, dann steigt die Gefahr für eine weitere schwerere Kopfverletzung auf das sechs- bis achtfache an."
Max-Jacob Ost, Sportjournalist

Eine unbehandelte Gehirnerschütterung erhöht die Gefahr, eine weitere schwerere Kopfverletzung zu erleiden, sagt Max-Jacob Ost. Wenn Fußballer über viele Jahre lang immer wieder Schläge auf den Kopf bekommen, steige zum Beispiel auch die Gefahr an einer Depression oder an Nervenkrankheiten zu erkranken.

Fußballer Petr Čech läuft nur noch mit Helm auf

Max-Jacob Ost sagt, dass alle Beteiligten, insbesondere Manager, Mannschaftsärzte und Fußballer, gewinnen wollen und deshalb unter großem Druck stehen. Besonders für Mannschaftsärzte sei es schwierig, einen verletzten Spieler nicht wieder aufs Feld zu lassen, wenn sie eine Gehirnverletzung vermuten. Der Sportjournalist sagt, dass die Ärzte dafür Mut brauchen, weil sie befürchten müssten, als Buhmann dazustehen.

"Man braucht den Mut als Mannschaftsarzt, dann vielleicht bei einem sportlich sehr wichtigen Spieler zu sagen: 'Es tut mir leid, aus medizinischen Gründen können wir ihn nicht wieder aufs Feld schicken.' Und dann steht man vielleicht auch ein bisschen als Buhmann da im aktuellen Umgang mit diesen Verletzungen."
Max-Jacob Ost, Sportjournalist

Außerdem, sagt der Journalist, braucht ein Arzt auch Zeit und eine ruhige Umgebung, um eine Gehirnerschütterung diagnostizieren zu können. Am Spielfeldrand sei beides oftmals nicht gegeben.

Einer der wenigen, der sich dafür einsetzt, dass Fußballer besser geschützt werden und sich auch besser schützen, ist der Fußballer Petr Čech, der lange für den Verein Chelsea London auf dem Feld stand. Er läuft nur noch mit einem Helm auf, und fordert das auch für alle Kolleginnen und Kollegen. Er hatte einmal einen Schädelbasisbruch während eines Spiels erlitten, ist aber damals nicht vom Feld genommen worden und hat weitergespielt. Seitdem trägt er bei Spielen immer einen Helm.

Image des Fußballs kontraproduktiv: Der Toughere wird gefeiert

Ein grundsätzliches Problem sieht der Max-Jacob Ost auch darin, dass das Image des Fußballs, das den Tougheren und Stärkeren feiert, wie er sagt, dem verantwortungsvollen Umgang mit Kopfverletzungen im Weg steht.

Eine jährliche Pflichtuntersuchung für Fußballer hält er für einen guten Schritt in die richtige Richtung, der auch zeige, dass das Thema inzwischen von Verbänden und Vereinen ernster genommen würde.