Die meisten von uns kennen die Salatgurke - und das wars dann auch schon. Dieses Gemüse hat aber viele unbekannte Sorten. Darauf will der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt aufmerksam machen, weshalb die Gurke Gemüse des Jahres 2019 ist.

Eigentlich ist es ziemlich schräg, dass ausgerechnet die Gurke zum Gemüse des Jahres 2019 gemacht wurde. Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt vergibt den Titel seit 1998 jedes Jahr und will damit die verschiedenen Gemüsesorten populärer machen. 

Bei der Gurke, sollte man meinen, ist das nicht unbedingt notwendig - kennen wir schließlich alle. Wir brauchen sie für unseren Salat, für aufs Brot, manche legen sich Scheiben davon auf die Augen, in den Gin Tonic oder vor Katzen, um sie zu erschrecken.

Gurken  sind vielfältiger als wir denken

Die Gurke ist aber unglaublich vielfältig, sagt Alexander Artmann vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt. Zwar würden Gurkenanbau und -züchtung in Deutschland noch heute mit gutem Erfolg betrieben, aber ein Großteil der einstigen Vielfalt sei verschwunden.

"Viele Gurkensorten sind verschwunden: Zum Beispiel die kleinen kugelrunden Zitronengurken oder die Apfelgurken. Oder weiße Gurken, die ganz blassgrün sind."

Im Supermarkt bekommen wir in der Regel drei bis vier verschiedene Sorten zu kaufen. Das sind Landgurken oder Schlangengurken, die nicht selten aus niederländischen oder spanischen Gewächshäusern kommen. Dabei müsse man sich nicht wundern, sagt Alexander Artmann, wenn die mal nach nichts schmecken. Das läge daran, dass die modernen Züchtungen aus dem Gewächshaus kommen, wo die Gurken in der kalten Jahreszeit ohne Sonnenlicht auf irgendeinem künstlichen Nährsubstrat angebaut werden. 

Gurken-Entdecker brauchen Hobbygärtner

Alexander Artmann selbst züchtet privat gerade an einer schwedischen weißschaligen Gurke und experimentiert da ein bisschen, sagt er. Er weiß: Für Hobbygärtner, die Gurken bei sich im Garten anpflanzen wollen, ist es nicht leicht an besonderes Saatgut zu kommen. Das läge unter anderem an der EU-Saatgut-Gesetzgebung, sagt er. Wer neue Sorten entdecken möchte, ist auf hobbymäßige Saatgutanbauer angewiesen, die es unter anderem bei ihm im Verein gibt. Bevor wir anbauen, sollten wir uns aber über die Sorte informieren.

"Gerade ältere Sorten sind kompliziert. Sie neigen dazu, bitter zu werden, wenn man sie nicht gleichmäßig wässert und windgeschützt anbaut. Außerdem braucht man dazu guten Boden. "
Alexander Artmannn, Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt

Gute Erfahrungen haben die Gärtner damit gemacht, die Gurken direkt in die Kompostgrube zu pflanzen. Die Salatgurken, die wir kennen, sind eigentlich nie bitter, weil es aus ihnen herausgezüchtet wurde. Bei den älteren Sorten sieht das anders aus. Da hilft entweder viel Pflege beim Wachsen, oder man hält sich hinterher an Küchenregeln wie, die Gurke von der Blüte zum Stiel hin zu schälen, da sich die Bitterstoffe vom Stielansatz her anreichern. Oder man schneidet die Enden großzügig ab, weil oft nur die ersten Zentimeter bitter sind.

Gurken sind das wasserreichste und kalorienärmste Gemüse, das es gibt. Sie gehören zur Gattung der Kürbisgewächse. Gurkenanbau gab es schon vor 3000 Jahren in Indien. Nach Westeuropa kam die Gurke wahrscheinlich erst im 16. Jahrhundert. Zumindest gibt es ab diesem Zeitraum Dokumentationen darüber. 

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