Ein Land, ein Ort, Freunde... Heimat kann für jeden etwas anderes bedeuten. Aber was denken Menschen über Heimat, die gar kein zu Hause haben? Deutschlandfunk-Nova-Reporter Christian Schmitt hat Menschen nach ihrem Heimat-Konzept gefragt, die auf der Straße leben. 

Um eine Heimat zu haben, brauchen die meisten Menschen einen festen Platz zum Leben - In unserer Themenwoche Heimat haben wir über ganz unterschiedliche Heimat-Konzepte berichtet. Aber was ist, wenn es diesen Ort nicht gibt?

Frank zum Beispiel hat sein zu Hause verloren, ist wohnungslos und lebt am Rand von Köln unter einer Auffahrt in einem Parkhaus. Ständig fahren Autos und Laster darüber und machen viel Lärm. Direkt daneben ist zudem noch eine riesige Baustelle.

Little Home
© Christian Schmitt I Deutschlandfunk Nova
In den Little Homes finden Wohnungslose eine sichere kleine Bleibe

Frank wohnt dort in einem Little Home. Das sind Hütten, die Menschen ohne Obdach von einer ehrenamtlichen Initiative zur Verfügung gestellt werden. Sie bieten immerhin einen trockenen, windgeschützten Ort, der zudem sicherer ist, als die bloße Straße. Denn das Leben dort ist durchaus gefährlich, sagt Frank.

"Wenn man am Schaufenster irgendwo schläft, ist das schlimm, gerade am Wochenende. Wenn da Besoffene unterwegs sind und denken, es wäre eine gute Idee, mal einen Obdachlosen anzupinkeln."
Frank, Wohnungsloser

In seiner Hütte hat Frank auch einen Rauchmelder und einen Feuerlöscher. In Köln ist im vergangenen Jahr ein Obdachloser angezündet worden, darum sind solche Vorsichtsmaßnahmen nicht abwegig. Frank hat auch eine Lichterkette in seiner Hütte aufgehängt. Er will es sich aber nicht zu nett machen. "Diese Hütte ist ja nur ne Übergangsphase", sagt er. 

Im Moment aber sei dieses Little Home seine Heimat. "Als Obdachloser hat man ja keine richtige Heimat. Du hast selten Obdachlose in der Stadt, die du kennst. Der Großteil ist zugezogen. Da ist ein großes Schamgefühl dabei, weil du ja in der eigenen Stadt gesehen werden könntest."

Little Home
© Christian Schmitt I Deutschlandfunk Nova
Das Hab und Gut in der Holzhütte

Freundschaft unter Wohnungslosen gibt es nicht so oft. Man misstraut sich eher gegenseitig, sagt Frank und versucht, trotz seiner schlechten Situation sein Glück zu finden.

"Ich wollte mich umbringen. In der Klinik habe ich jemanden getroffen. Diese Frau ist meine beste Freundin geworden. Hätte ich nicht versucht, mich umzubringen, hätten wir uns nie kennengelernt. Das ist mein Glück."
Frank, Wohnungsloser

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