Menschen die helfen oder Leben retten werden oft zu Helden erklärt. Sie zeigen uns, was möglich ist. Und erinnern uns daran, dass auch wir gelegentlich mal über uns selbst hinauswachsen und kleine Heldentaten im Alltag vollbringen könnten, sagt die Philosophin Rita Molzberger.

Die Heldin oder der Held sind besondere Figuren: Es geht dabei um signifikant abweichendes Verhalten im ethischen Bereich, das gesellschaftlich für anerkennenswert gehalten wird, erklärt die Philosophin Rita Molzberger. Anderen Menschen das Leben zu retten oder sich schützend vor sie zu stellen, wenn sie bedroht werden, gehört zu diesem Verhalten dazu.

Zivilcourage ist eine Form von Heldentum

Nicht jedem Menschen gelingen solche Heldentaten, über die dann später Medien berichten wie über Mamoudou Gassama (im Bild oben links), der in Paris im Sommer dieses Jahres ein kleines Kind vom Balkon gerettet hat, oder wie der obdachlose Australier, der den Attentäter von Melbourn am 9. November 2018 mit einem Einkaufswagen stoppte.

Oder wie Tugce Albayrak (im Bild oben rechts), die am 15. November 2014 zwei weiblichen Jugendlichen im Toilettenbereich eines Schnellrestaurants beistand, als die beiden von männlichen Jugendlichen belästigt wurden. Tugces Zivilcourage endete für sie selbst tödlich.

Alltagshelden im Kleinen

Nicht immer muss es gleich die große Heldentat sein. Manchmal gelingt uns im Alltag und im Kleinen, ohne dass es von vielen anderen beobachtet wird, eine besondere Tat. "Die war auch schwer und man fühlt sich wie der Held des Alltags," sagt Rita Molzberger.

"Dieses Gefühl, sich heldenhaft fühlen, weil man etwas Besonderes gemeistert hat, gibt es im Kleinen eben auch."
Rita Molzberger, Philosophin

Rita Molzberger vermutet, dass wir uns nach Heldengeschichten sehnen, weil es "gute" Geschichten sind. Das abweichende Handeln der Heldinnen und Helden und ihre Taten interessieren uns, weil wir dazu auch in der Lage wären, wenn wir uns nur trauten.

Helfende Helden

Im Superhelden-Zeitalter handeln die Geschichten vor allem von Helden, die helfen. "Sie tun das vielleicht in besonderer Weise, aber sie tun dabei nichts, was wir nicht im Kleinen auch tun könnten," sagt Rita Molzberger. Die Superhelden seien Identifikationsfiguren, die aber nicht zu nah am eigenen Selbst seien.

Weniger spektakuläre Heldentaten erleben wir selbst im Alltag, wenn es uns gelingt, über uns selbst hinauszuwachsen und etwas Ungewöhnliches zu meistern. 

"Nicht jeder ist vielleicht ein Held oder eine Heldin im engeren Sinne, aber sich zu gutem Handeln zu entschließen, das ist etwas, was wir alle könnten."
Rita Molzberger, Philosophin

Mehr Heldengeschichten bei Deutschlandfunk Nova: