Christian Bangel ist Journalist und Buchautor, aufgewachsen in Frankfurt (Oder). Er findet, es muss gar keine innerdeutsche Einheit geben zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen. Aber: Wir müssen über die Unterschiede reden!

Der wohl zukünftige Wirtschaftsminister Peter Altmaier von der CDU will sich besonders um die Entwicklung der "neuen Bundesländer" kümmern. Der Osten Deutschlands habe zwar in den vergangenen Jahren enorm aufgeholt, aber es gehe immer noch zu langsam und in einigen Regionen gar nicht voran, sagte Altmaier Journalisten der Funke-Gruppe. Aber ist die Einteilung in Ost- und Westdeutschland überhaupt noch zeitgemäß? Schließlich ist die Mauer seit 2018 länger Geschichte, als sie gestanden hat.

Der Journalist Christian Bangel meint: Ja, denn die Umstände in Ost und West unterscheiden sich immer noch in wesentlichen Punkten. Zum Beispiel beim Einkommen, beim Vermögen, und ganz generell in der Lebenswahrnehmung, sagt er. 

"Da jetzt eine innere Einheit zu fordern oder ein Verschwinden der Unterschiede in den Einstellungen ist irgendwie der zweite Schritt vor dem ersten."
Christian Bangel, Journalist und Buchautor

Eineinhalb Generationen haben in verschiedenen Welten gelebt, sagt Christian Bangel, danach kam dann die entscheidende Phase der Neunziger und Zweitausender. Das verschwindet nicht einfach so. Außerdem, so meint Christian Bangel, war Deutschland nie geprägt von einer inneren Einheit. Auch Westdeutschland nicht. 

"Wir können ein Land sein, einen gesellschaftlichen Zusammenhalt haben, und trotzdem Ostdeutsche haben, die sich als solche identifizieren und ihre Lebenserfahrung mit einbringen."
Christian Bangel, Journalist und Buchautor

Trotzdem stellt Christian Bangel auch fest, dass es ein grundlegend subversives Gedankenset vieler Ostdeutscher gegenüber den Westdeutschen gibt. Und das ist nicht gut, sagt er, weil es niemandem weiterhilft. Aber es lässt sich eben nicht einfach einfordern. Stattdessen müssten die Lebensumstände angeglichen werden. Es müssen Perspektiven geschaffen werden und man muss versuchen, ins Gespräch zu kommen, so Christian Bangel.

Bei der älteren Generation sind die Unterschiede größer

Seiner Beobachtung nach, gibt es einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen der Eigenwahrnehmung von West- und Ostdeutschen. Denn im Westen der Republik würde niemand sagen: "Ich bin Westdeutscher". Menschen aus Ostdeutschland sind sich aber sehr wohl bewusst darüber, dass es eben Unterschiede gibt zwischen ihrer Lebenswelt und Lebenserfahrung und der von Menschen, die in Westdeutschland aufgewachsen sind. Da besteht dann auch ein Wunsch, sich darüber auszutauschen.

"Viele Westdeutsche sehen das immer noch als eine Sache, die automatisch zu passieren hat. Und ich glaube, das wird so nicht kommen."
Christian Bangel, Journalist und Buchautor

Für den Journalisten ist es entscheidend, dass endlich darüber gesprochen wird, was in den letzten 27 Jahren passiert ist. Nur über einen Austausch und das Bewusstwerden der Unterschiede kann es letztendlich auch zu Lösungen kommen und dazu, dass sich solche Differenzen ausgleichen.

Eine Art Schüleraustausch zwischen Ost und West hält Christian Bangel für gar nicht so notwendig. Denn das Problem beträfe vor allem die ältere Generation. Natürlich würde die jüngere Generation auch noch geprägt werden von tradierten Vorstellungen, aber die hätten eine Lebensbiografie vor sich, bei der sie viel vom Westen mitbekommen würden. Allein schon aus beruflichen Gründen. Die ältere Generation hingegen ist schwieriger zu erreichen.

Zur Person:

Christian Bangel ist Journalist und Buchautor. Er ist aufgewachsen in Frankfurt an der Oder. In seinem Roman "Oder Florida" begibt sich Christian Bangel an den Ort seiner Geburt, Kindheit und frühen Jugend: In das Frankfurt (Oder) der Vor- und Nachwendezeit.

Mehr zum Thema: