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Uni, Schule, Arbeit, Meetings – vieles findet während der Pandemie online statt. Das ist auch bei der Jobsuche nicht anders. Bewerbungsgespräche müssen wegen der Kontaktbeschränkungen in die digitale Welt verlegt werden. Das Problem: Für Bewerberinnen und Bewerber ist das eher ein Nachteil.

Waren Videokonferenzen früher eher eine Seltenheit und vor allem unbeliebt, sind sie während der Pandemie zum Normalzustand geworden. Trotzdem können sie uns ziemlich auslaugen. Das sind nicht gerade gute Startbedingungen für ein Bewerbungsgespräch über Webcam – und trotzdem derzeit oft die einzige Möglichkeit.

Medium schränkt die soziale Präsenz ein

Klaus Melchers ist Arbeitspsychologe. Er hat in einem Experiment festgestellt: Menschen die sich über Webcam bewerben mussten, kamen im Schnitt schlechter an, als diejenigen, die dem Interviewer am Tisch gegenübersitzen konnten. Das liegt daran, dass die Wahrnehmung eine andere ist. Das Zwischenmedium beeinflusst die soziale Präsenz des Gegenübers – auf beiden Seiten.

"Nicht nur die Interviewenden beurteilen identische Antworten in der Videokonferenz strenger – auch die Bewerber geben dort im Durchschnitt schlechtere Antworten."
Klaus Melchers, Arbeitspsychologe

Der Grund: Bewerbende zeigen in der Videokonferenz weniger Impression-Management-Verhalten. Damit meint Klaus Melchers alle Verhaltensweisen, die wir nutzen, um einen guten Eindruck bei unserem Gegenüber zu machen, zum Beispiel im Bewerbungsgespräch die eigenen Stärken zu betonen.

Dazu zählen aber auch nonverbale Zeichen also zum Beispiel lächeln, die Körperhaltung oder Blickkontakt halten. Denn so signalisieren wir Nähe und Sympathie - und das ist in der Videokonferenz deutlich eingeschränkt.

Gleiche Chancen bei gleichen Bedingungen

Aber deswegen gilt auch: Wenn alle Bewerbungsgespräche per Video stattfinden, dann haben auch wieder alle die gleichen Chancen. Das ist aber derzeit nicht unbedingt so, meint Klaus Melchers. Arbeitstreffen sind auch während der Pandemie eingeschränkt erlaubt. Das würde bedeuten, dass diejenigen Bewerber, die sich vor Ort vorstellen dürfen, einen Vorteil haben.

"Video-Bewerber sollten vor allem die technische Seite absichern und einen ruhigen Raum wählen."
Klaus Melchers, Arbeitspsychologe

Wer die Wahl hat, sollte sich also am besten persönlich vorstellen. Wer das nicht kann, sollte versuchen den Teil, den er kontrollieren kann, so positiv wie möglich zu gestalten, rät Klaus Melchers.

Dazu zählen eine stabile Internetverbindung, ein ungestörter Raum und ein passender Hintergrund für das Gespräch. Denn ein unaufgeräumtes Zimmer könnte an den potenziellen zukünftigen Arbeitgeber die falschen Signale senden.