Jogger geben unglaublich viel Kohle für ihr Outfit aus. Vieles macht Sinn - teure, weiche, gepolsterte Schuhe aber wohl eher nicht. Das sagen Forscher, die einfach keinen Unterschied feststellen können. 

Sportartikelhersteller überbieten sich regelmäßig mit neuen Funktionen. Vor allem bei den Schuhen, was bei den Läufern auch gut ankommt: Viele haben irgendwann Probleme mit Knien, Hüfte oder Gelenken. Und wenn dann so eine super Dämpfung im Schuh Besserung verspricht? Dann gibt man halt auch mal etwas mehr aus.

Muss aber gar nicht, sagen Forscher aus Finnland. Sie sagen das zum ersten Mal so deutlich, denn eigentlich ist schon länger bekannt, dass durch die vielen weichen, gut gepolsterten Schuhe keine Besserung eingetreten ist. Im Gegenteil: Art und Häufigkeit der Verletzungen unter Sportlern sind gleich geblieben. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries sagt, das liegt gewissermaßen an uns selbst. 

"Läufer passen ihren Laufstil an den Schuh - in diesem Fall an die Sohle - an."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova

Unser Laufen kann im Prinzip in zwei Phasen eingeteilt werden: 

  1. Unser Bein berührt den Boden
  2. Unser Körper ist in der Luft

Interessant ist der Moment nach der Flugphase, wo das Gewicht des Läufers wieder nach unten zieht und der Fall mit Fuß und Bein abgefangen wird. Dann wird das Bein leicht gewinkelt und mit Sprunggelenk, Knie und Hüfte mit Kraft wieder schnell gestreckt, um den Läufer abzudrücken. Die Sohle des Schuhs beeinflusst, wie stark der Fuß abgefedert wird.  

Genau diesen Prozess haben sich die finnischen Forscher genau angeschaut. Dazu haben sie Dutzende Probanden aufs Laufband gestellt - jeweils mit unterschiedlich stark gedämpften Schuhen. 

Unser Körper gleicht weiche Sohlen aus

Was deutlich wurde: Die Zeit des Abfederns - wenn der Fuß nach der Flugphase den Boden berührt - wird mit weichen Sohlen länger, da der Schuh noch zusätzlich nachgibt. Jeder Körper hat aber einen optimalen Bewegungsablauf, den wir in der Regel auch selbst finden. Wichtig ist es, sagt Veronika von Borries, "dass die Phase, wo der Fuß auf der Erde ist, so lang wie nötig und so kurz wie möglich ist".

"Probanden mit weichen Schuhen reagierten wie Läufer, die von Asphalt auf Waldweg wechseln."
Veronika von Borries, Deutschlandfunk Nova, fasst die Studienerkenntnisse zusammen.

Wechseln Läufer den Untergrund, wechseln sie auch ihren Laufstil. Sie passen ihn an. Genauso verhält es sich mit den Schuhen. Mit weichen Sohlen federn wir weniger ab und das Bein ist steifer. Das machen wir automatisch, damit wir trotzdem möglichst kurz mit dem Fuß auf dem Boden sind und unsere Kraft optimal einsetzen.  

Wer sich jetzt fragt, ob die weichen Sohlen vielleicht doch nicht so gut sind, für den ist wichtig zu wissen: Wie viel unser Körper ausgleicht, hängt davon ab, wie schnell wir laufen. Das ist auch logisch nachvollziehbar, denn bei schnellen Joggern ist die Zeit, in der der Fuß auf dem Boden ist, kürzer. Das heißt, in kürzerer Zeit muss mehr ausgeglichen werden. Bei langsamen Läufern oder Walkern ist die Phase homogener - hier können Sportler eher von weichen Sohlen profitieren, sagt Veronika von Borries.  

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