Mitten auf der Party oder auch zu Hause bei der Familie: Manchmal greifen uns Menschen persönlich an, wenn es eigentlich um etwas ganz anderes geht. Wie wir uns in solchen Fällen am besten verhalten, weiß Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Verena von Keitz.

Vor Kurzem hat ein Abgeordneter des Deutschen Bundestages und Mitglied der AfD die schwedische Aktivistin Greta Thunberg als "krankes Kind" bezeichnet. Bei Greta Thunberg wurde Asperger diagnostiziert, eine Form des Autismus. Abgesehen davon, dass der Abgeordnete Greta Thunberg mit seiner Äußerung die Kompetenz abgesprochen hat, sich kritisch zur Klimakrise zu äußern, lenkt er damit vom eigentlichen Thema ab: der Diskussion um Klimaschutz.

"Damit lenkt jemand vom eigentlichen Thema ab. Und du bist sofort damit beschäftigt, dich zu rechtfertigen. Denn das ist eine ziemlich normale Reaktion: klarzustellen, dass du irgendwas nicht bist."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Ähnlich kann uns das auch im Gespräch passieren: Statt über das eigentliche Thema zu diskutieren, rechtfertigen wir uns, weil wir persönlich angegriffen werden. Zum Beispiel: "Du setzt dich für Klimaschutz ein, aber du isst Salat und Toast aus der Plastikverpackung, da darfst du eigentlich den Mund gar nicht aufmachen."

Situation erkennen und Zeit gewinnen

Was also tun, wenn wir in solchen Situationen kontern wollen? Verena sagt, dass es in der Regel erst einmal darum geht, zu erkennen, dass jemand die Gesprächsebene gewechselt hat und vom eigentlichen Thema ablenkt.

"Empfohlen wird für diese Situation, erst mal Zeit zu gewinnen und eben nicht reflexhaft auf die Kritik an der eigenen Person zu reagieren."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

In Argumentationstrainings wird gelehrt, Zeit zu gewinnen. Zum Beispiel mit Antworten wie "Wir können später über die Kritik an mir sprechen. Jetzt geht es aber um das Thema", oder, wenn wir sagen, dass wir uns erst einmal Gedanken darüber machen wollen. Grundsätzlich ist es wichtig, auf das eigentliche Thema hinzuweisen. 

Wird das Gespräch verletzend, beleidigend oder abwertend, können wir es auch immer beenden, sagt Verena. Auch, wenn wir die andere Person eigentlich vom Gegenteil überzeugen wollen. 

In Diskussionen auf sich selbst achten

Bei solchen Diskussionen gehe es vor allem darum, etwas für sich selbst zu tun und sich besser zu fühlen, wenn man klug auf populistische Argumentationstaktiken reagiere. Außerdem sei wichtig, auch anderen Anwesenden in einer solchen Situation zu zeigen, dass wir uns zur Wehr setzen. Das erklärt Klaus Peter Hufer von der Universität Duisburg Essen in einem Interview mit dem Fluter. Er hat ein Training gegen Stammtischparolen entwickelt. 

Klaus Peter Hufer sagt auch, dass es einen fließenden Übergang zwischen verbaler und physischer Aggressivität gebe – und der müsse gestoppt werden. Wenn wir nicht auf Biegen und Brechen die andere Seite von unserer Meinung überzeugen wollen, kann uns das selbst entspannen.

"Das hilft auch, wenn jemand die 'What about'-Taktik anwendet, was Donald Trump perfekt beherrscht, und die im Netz auch sehr viel zum Einsatz kommt."
Verena von Keitz, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

"Whataboutism" funktioniert so: Wenn wir etwas kritisieren oder ein Thema ansprechen, kontert die andere Person mit einem anderen Missstand. "What about…?" So wird das eigentliche Thema relativiert oder davon abgelenkt.

Genau dann können wir die oben genannten Taktiken anwenden. Oder einfach die Masche unseres Gesprächspartners parodieren, wenn wir merken, dass keine echte Diskussion entstehen kann.

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