Wer leicht psychisch erkrankt ist, sollte in Teilzeit weiterarbeiten dürfen. Dafür schlagen Ärzte eine neue Art der Krankschreibung vor. Sie hat einen entscheidenden Nachteil.

Die Ärztevereinigung Marburger Bund fordert, dass Ärzte Teilzeitkrankschreibungen ausstellen können. Unserer Reporterin Verena von Keitz hat sich den Vorschlag angesehen. Für akute körperliche Erkrankungen ist er nicht gedacht, sagt Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger Bunds.

"Wenn es um Störungen geht, bei denen eine zeitweise Schonung Besserung verspricht, dann sollten Ärzte verordnen können, dass ein Patient stundenweise Schonung bekommt."

Damit sind vor allem psychische Erkrankungen gemeint: Depressionen und Burn-out zum Beispiel. In diesen Fällen kann es für den Krankheitsverlauf besser sein, wenn der Patient nicht alleine zu Hause ist, sondern auf der Arbeit erscheint. Selbst dann, wenn es nur wenige Stunden sind.

"Das kann sich positiv auf den Genesungsprozess auswirken, weil er den Kontakt mit Kolleginnen und Kollegen und die Tagesstruktur behält. Er wird nicht sozial isoliert."

Rudolf Henke sagt auch, dass das herkömmliche Krankschreiben oft zu monatelangem Arbeitsausfall führt. Psychische Krankheiten machen den größten Teil an Fehlzeiten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus. Das zeigt auch der aktuelle Fehlzeit-Report der AOK.

Erkrankung wird offengelegt - indirekt

Ein Punkt bei der Initiative des Marburger Bundes ist allerdings heikel. Durch die Teilzeitkrankschreibung wird für Arbeitgeber und Kollegen offen gelegt, dass eine psychische Erkrankung vorliegt. Für Rudolf Henke ist das zwar ein Nachteil, den er aber vernachlässigen möchte.

"Zugegeben, das ist ein Problem: Wir Ärzte geben in den Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen gegenüber den Arbeitgebern nie eine Diagnose an. Wir würden dabei bleiben."

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