Normalerweise stehen Kühe auf der Weide, geben Milch oder werden geschlachtet - Kühe kann man aber auch reiten. Lydia will es probieren.

Als Lydia Herms von einem Kuhturnier in Brandenburg hört, sagt sie sofort: "Cool! Das mach ich!" Ob sie weiß, worauf sie sich da einlässt? Ziemlich neugierig und ein bisschen aufgeregt fährt Lydia mit der Bahn von Berlin nach Brandenburg. Sie hat im Vorfeld alles über Kühe gelesen, fühlt sich gut vorbereitet, doch als sie dann endlich am Hof angekommen ist und vor Betty steht, kommen ihr Zweifel. Und Respekt. Betty ist die Kuh, auf der Lydia reiten soll, und Betty ist riesig! 

"1,80 Meter ist sie jetzt. Weil sie ein Zwillingskalb war und noch nicht trächtig geworden ist, ist sie jetzt relativ groß geworden. Und sie wächst auch immer weiter."
Lucy, Kuhreiterin aus Brandenburg

Lydia Herms trifft Lucy - die Kuhreiterin. Lucy ist 19 Jahre alt, im dritten Ausbildungsjahr zur Tierpflegerin und reitet auf Pferden, seit sie vier Jahre alt ist. Auf dem Rücken einer Kuh saß Lucy das erste Mal mit elf. Das sei normal auf dem Land, sagt sie. Kinder von Viehbauern probieren das irgendwann alle mal aus, auch, weil nicht immer das Geld für Pferde da sei. 

Rinder lassen sich nichts sagen - Rinder muss man fragen

Bevor es losgeht mit der Reitstunde auf Kuh Betty, muss Betty erst einmal gebürstet werden. "Damit sie keine Druckstellen vom Sattel bekommt", sagt Lucy. Lydia schaut zu und stellt erleichtert fest - Betty scheint das Bürsten zu mögen, sie wirkt zufrieden und entspannt. Beste Voraussetzungen für ihren ersten Aufstieg auf die Kuh gleich. Denkt Lydia. Was sie wenig später von Lucy erfährt: Rinder sind gar nicht mal so unkompliziert. 

"Ich frag natürlich schon, ob sie Lust hat. Rinder lassen sich nichts sagen. Die sind anders als Pferde, wo man sagt: Komm, wir gehen jetzt. Rinder muss man fragen."
Lucy, Kuhreiterin aus Brandenburg über die Mentalität von Rindern

"Rinder muss man fragen!" - Was für ein Satz. Na dann fragen wir mal. Betty, hast du Lust mit Lydia zu reiten?

Lydia mit Kuh Betty und Kuhreiterin Lucy.
© Deutschlandfunk Nova | Lydia Herms
Handy-Selfie von Lydia Herms unter anderem mit Kuh Betty und Kuhreiterin Lucy

Betty wird für den Ritt fertiggemacht. Sie bekommt ein Halfter angelegt - in diesem Fall passen Pferdehalfter - dann bekommt Betty an jedes der vier Beine Gamaschen und ein bisschen Wolle unter den Sattel. Der Sattel - ein Westernsattel - ist eine Spezialanfertigung. Betty wurde dafür extra vermessen. Nach dem Anlegen der Zügel ist die Kuh fertig und es geht raus aus dem Stall. Betty quittiert das mit einem lauten "Muuuuuhhhh". Lydia schreckt zusammen. Ein durchdringendes Geräusch... 

Kuh Betty kann sogar rückwärts Slalom

Lucy setzt sich zuerst auf Betty drauf. Dazu nimmt sie einen Stuhl zur Hilfe und lässt sich behutsam auf den Kuhrücken nieder. Betty dürfe höchstens 70 bis 80 Kilo tragen, sagt sie. 

Lydia schaut fasziniert zu, wie Lucy auf Betty erst langsam, später schneller reitet. Betty kann sogar Galopp. Und bei diesem Kunststück bleibt Lydia die Spucke weg: Betty geht auf Anweisung von Lucy sogar rückwärts, im Slalom. Beide wirken sehr eingespielt. 

"Wenn ich stoppe, mache ich mein Gewicht nach hinten, und wenn ich rückwärts gehen möchte, dann muss man die Zügel nach hinten bewegen, und bestimmte Laute dazu machen."
Lucy, Kuhreiterin aus Brandenburg

Zu sehen, wie Lucy auf Betty reitet, ist genauso beeindruckend wie die Kuh selbst. Dieses große, schwere, eigensinnige Tier... Als Betty an Lydia vorbeireitet und laut schnauft, ist Lydia völlig klar: 

"Ich werde heute keine Kuh reiten!"
Lydia Herms, Deutschlandfunk Nova, über das Kuhreiten, beziehungsweise Nicht-Kuhreiten

So easy, wie Lydia anfangs dachte, ist es wohl doch nicht, auf einer Kuh zu reiten. Da setzt man sich nicht mal so eben drauf, wie beim Ponyreiten. Und das ist vielleicht auch ganz gut so. Gesunder Respekt hat noch keinem geschadet, denkt Lydia, und gesunde Vorsicht auch nicht. Schlussendlich begnügt sie sich damit, dabei zuzusehen, wie Lucy Betty nach ihrem Reitausflug noch füttert.

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