2015 und 2016 war der Bedarf groß. Da mussten die vielen Geflohenen untergebracht werden - etliche Unterkünfte wurden blitzschnell hochgezogen. Und jetzt? Jetzt gibt es Leerstand, aber kein übergeordnetes Konzept.

Viele Städte und Kommunen standen vor einigen Jahren vor der Herausforderung, in sehr kurzer Zeit, sehr viel Wohnraum hochzuziehen. Zu Anfang waren Flüchtlinge sogar in Turnhallen untergebracht. Es wurden Leichtbauhallen, Container, Luftzelte errichtet. Überall gab es andere Ideen. Und zunächst bleib auch kaum Zeit, sich die Frage zu stellen, was danach passiert, wenn diese Unterkünfte nicht mehr gebraucht werden.

Ein Drittel Leerstand

Nach dem großen Ansturm steht jetzt deutschlandweit etwa ein Drittel leer. Wobei das nicht heißt, dass diese Unterkünfte nicht mehr gebraucht werden, sagt Deutschlandfunk-Nova-Korrespondent Alexander Moritz. Einige Unterkünfte könnten einfach nicht voll belegt werden, sagt er. 

"Wenn eine Familie mit drei Personen in einem Zimmer mit vier Betten wohnt, will man nicht noch einen Fremden in das vierte Bett packen."
Alexander Moritz, Deutschlandfunk Nova über den Leerstand bei Flüchtlingsunterkünften

Wie groß der Leerstand wirklich ist, unterscheidet sich regional stark. In ländlicheren Gebieten wurden schon mehrere Unterkünfte geschlossen, weil die anerkannten Flüchtlinge dort schneller in Wohnungen gezogen sind. In den Städten, wo Wohnraum generell knapp ist, werden die Unterkünfte noch gebraucht.

Neben Leerstand gibt es teilweise noch Bedarf

Eng ist es beispielsweise in Frankfurt - wo weiterhin Menschen ankommen, durch Familiennachzug etwa. Dort werden auf dem Messegelände im kommenden Jahr sogar weitere Wohnwagen aufgestellt. Die meisten freien Plätze hingegen gibt es in Nordrhein-Westfalen. Dort sind 12.000 Betten frei - das ist etwa die Hälfte der Plätze. 

Was mit den Unterkünften passiert, wenn sie leer stehen, ist unterschiedlich. Je nachdem, welche Lösung die jeweilige Stadt oder Kommune für sich gefunden hatte. Leichtbauhallen und Zelte werden geschlossen oder abgebaut - angemietete Container können an die Firmen zurückgegeben werden. 

Wohnraum für Obdachlose oder Studierende?

In manchen Städten können die Flüchtlingsunterkünfte umfunktioniert werden. Teilweise werden daraus Obdachlosenunterkünfte oder Büros für die Stadtverwaltung gemacht. Bremen zum Beispiel bringt in einer Unterkunft statt Geflüchteten psychisch kranke Obdachlose unter. In Bayern werden Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion untergebracht.

In Berlin und Köln wird derzeit diskutiert, ob nicht auch Studierende in Flüchtlingsheimen wohnen können. Das ist wegen des Baurechts nicht ganz unproblematisch. Das war - weil die Zeit drängte - für Geflüchtete gelockert worden, was aber auch heißt, dass die Genehmigung nur für Geflüchtete gilt.    

Studenten-WG in Containersiedlung

Ein Beispiel, wo Geflüchtete und Studierende zusammenwohnen, haben wir gefunden - und zwar in Lüneburg. Dort leben in einer Containersiedlung drei WGs neben Familien aus Syrien oder dem Irak. Die 20 Jahre alte Studentin Mia Bohnet wohnt dort und sagt, dass es kälter ist als in normalen Wohnungen und alles sehr grau. Aber das Nachbarschaftsgefühl sei im positiven Sinne ein ganz anderes. 

"Einige Mädels kommen eigentlich jeden Tag und fragen, ob wir ihnen bei den Hausaufgaben helfen können. Das machen wir dann auch gerne. Ich würde sie schon als Freundinnen bezeichnen."
Mia Bohnet, Studentin, wohnt in Lüneburg in einer Containersiedlung für Geflüchtete in einer studentischen WG

Mia Bohnet erzählt aber auch, dass eine Kommilitonin von ihr wieder  ausgezogen ist, weil es ihr zu viel wurde, die schwierige Situation der geflüchteten Familien jeden Tag mitzubekommen. 

Jedes Bundesland, jede Stadt, jede Kommune hat ihre eigene Strategie, wie sie mit dem Leerstand bei den Flüchtlingsunterkünften umgeht. Jeder findet für sich seine eigene Lösung. Hamburg ist dabei ein gutes Beispiel - hier wurde der Wohnraum für die Geflüchteten direkt als sozialer Wohnungsbau realisiert, sodass in ein paar Jahren dort beispielsweise einkommensschwache Familien einziehen können. 

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