Als vor zwei Jahren so viele Menschen nach Deutschland geflüchtet sind, wollte Michael helfen. Deshalb hat er das Sozialunternehmen Bayti hier gegründet - ein Modelabel, das arabische Stoffe und europäische Schnitte verbindet - und zeigt, wie Integration aussehen kann.

Michael hatte ein Ziel im Kopf, als er in ein Welcome-Café für Geflüchtete in Münster gegangen ist. Er suchte ausgebildete Schneider für sein Modelabel. "Ich wusste, dass das Handwerk häufig in Syrien ausgeübt wird. Und ich dachte: Wahrscheinlich ist das eine Kombination, mit der man helfen kann", erinnert sich Michael. 

"Am Anfang war es schwer. Vor allem mit der Sprache. Da bin ich manchmal von Bayti hier nach Hause gekommen und habe geweint, weil ich niemanden verstanden habe.“

Michael hat Glück: Schnell lernt er das Paar Elham und Mohammed kennen, die nur wenige Jahre älter sind als er und die in Damaskus in Syrien schon als Schneider gearbeitet haben. Die beiden können zwar anfangs kaum Deutsch, machen aber trotzdem erst mal ehrenamtlich mit. Dass sie am Anfang nichts verstanden hat, war für Elham ziemlich deprimierend. Das sei jetzt, nach über einem Jahr aber nicht mehr so, sagt sie. Außerdem sei sie froh, dass sie in ihrem Beruf in Deutschland weitermachen kann.

Modelabel für Integration

Für Michael war die Sprachbarriere gar nicht das größte Problem. Der Gründungsprozess war viel schwieriger, "alles hat lange gedauert. Das Firmenkonto war schon extrem nervig, was man da alles einreichen muss, bis man mal Onlinebanking hat". Mittlerweile hat er die Gründungsbürokratie hinter sich lassen können. 

Elham und Mohamad aus Syrien nähen.
© Lena Sterz | Deutschlandfunk Nova
Elham und Mohamad nähen nachmittags nach ihrem Sprachkurs

Aus anfangs drei Gründern sind mittlerweile zwölf Mistreiter geworden, die alle mal mehr, mal weniger mitarbeiten - aber immer ehrenamtlich. Elham und Mohammed gehen bis nachmittags zum Sprachkurs und kommen danach an ein paar Tagen die Woche zum Nähen vorbei. Die beiden arbeiten auf 450-Euro-Basis. Zwischen Sprachkurs der beiden und Unikursen von Michael und den anderen entwerfen sie die Kollektionen: Leinenbeutel, T-Shirts, Hoodies und Rücksäcke. 

"Die beiden haben wieder Stoffe über ihre Freundin aus Ägypten besorgt und die anderen Studenten haben alle ihre Ideen eingebracht – so läuft's immer bei uns. Weil hier keiner damit Geld verdient."
Michael, Gründer von Bayti hier
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Für die neue Kollektion hat das Label noch intensiver mit orientalischen Stoffen gearbeitet. Elhams und Mohammeds Job ist derzeit hauptsächlich das Nähen. Für größere, strategische Fragen, reicht ihr Deutsch noch nicht aus. Ab Mitte Mai sollen sie aber immerhin ins Verkaufsteam einsteigen, das mit einem umgebauten Bauwagen zwei Mal wöchentlich auf dem Münsteraner Markt stehen will. Dort ist dann ihre zweite Kollektion zu haben. 

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