Jonglieren lernen, genug schlafen oder einfach mal den Tag anders gestalten. All das ist gut für das Gehirn, sagt Neurowissenschaftlerin Franca Parianen. Außerdem: Lernen sorgt für Glückshormone, aber nur, wenn ihr euch nicht überfordert.

Forscher aus Australien haben die Schriftart Sans forgetica entwickelt, um das Gehirn beim Lesen stärker zu aktivieren. Richtig, denn sobald wir auf Autopilot sind, lernen wir weniger gut, sagt die Neurowissenschaftlerin Franca Parianen. Bei Sans forgetica werden deshalb kleine Teile der Buchstaben weggelassen. Das Lesen wird etwas schwieriger und holt uns aus dem Trott heraus. Zugleich werden wir aber nicht überfordert: Wir können trotzdem lesen.

Beim Lesen Inhalte aktiv wiederholen

Beim Lesen ist es auch sinnvoll, Inhalte aktiv zu wiederholen, anstatt nur passiv zu lesen, sagt die Neurowissenschaftlerin. Am Besten ist es, Gelerntes mit Stift und Papier aufzuschreiben.

Neben diesen kurzfristigen Hilfen, könnt ihr auch langfristig etwas für euer Gehirn tun. Zum Beispiel:

  • Ein Musikinstrument lernen,
  • Sport treiben,
  • öfters mal an die frische Luft gehen
  • und immer mal etwas Neues lernen.
"Man kann sich immer mal wieder etwas Neues zutrauen und auch etwas Neues lernen."
Franca Parianen, Neurowissenschaftlerin

Hin und wieder Strukturen zu durchbrechen, Neues auszuprobieren und Neues zu lernen, trainiert das Gehirn.

Außerdem gibt es auch Dinge, die ihr vermeiden könnt:

  • Zu viel Stress,
  • zu wenig Schlaf,
  • unregelmäßiger Schlafrhythmus,
  • vor dem Schlafen zu lange auf den Bildschirm starren.

Stress oder auch zu wenig Schlaf sind schlecht für die Neuroplastizität, die Fähigkeit des Gehirns sich selbst zu ändern. "Das kann man auch am Gehirn sehen", sagt Franca Parianen. Der Hippocampus - der Gehirnteil, der für Gedächtnis und Lernen zuständig ist – wird zum Beispiel größer, wenn wir Jonglieren lernen, so die Neurowissenschaftlerin.

Die Lernziele nicht zu hoch stecken

Außerdem macht Lernen Spaß. Dann nämlich schütten wir Dopamin aus. "Das ist an sich das beste Gefühl, das wir haben können", sagt Franca Parianen. "Das kennen wir von Bananen, von Sex oder Schokolade." Aber das funktioniert nur, wenn ihr auf dem richtigen Niveau lernt.

"Das Lernen muss Spaß machen. Dass wir das Gefühl haben, da ist eine Herausforderung. Aber es darf nicht so schwer sein, dass wir sofort aufgeben."
Franca Parianen, Neurowissenschaftlerin

Wichtig ist eben, dass ihr euch beim Lernen nicht überfordert und schnell frustriert aufgebt. Videospiele zum Beispiel passen sich unserem Lernniveau nach und nach an, deshalb bleiben wir dran.

Insgesamt ist es sinnvoll, sein Gehirn etwas zu trainieren und es nicht ganz verkümmern zu lassen. Denn: "Unser Gehirn funktioniert nach dem Standard 'Use it or lose it'", sagt Franca Parianen. Benutzt ihr das Gehirn nicht, geht Wissen verloren. Das passiert zum Beispiel, wenn man Fremdsprachen lange Zeit nicht nutzt. Dann funktioniert das Sprechen nicht mehr so richtig – und das ist doch schade.

Mehr zum Thema auf Deutschlandfunk Nova:

  • Unser Gehirn ist wie ein Fingerabdruck | Lange Zeit dachte man, dass das Gehirn quasi eine bloße Rechenmaschine ist und keine individuellen Merkmale aufweist. Schweizer Forscher haben jetzt bewiesen, dass die Anatomie menschlicher Gehirne sehr individuell ist.
  • Mit Gehirntraining wieder Gehen lernen | Forschern ist es gelungen, Querschnittsgelähmten ein bisschen Gefühl und Mobilität zurückzugeben. Über hartes Training mit Gehirn und Computer.
  • Unser innerer Schweinehund ist das Gehirn | Wer kennt das nicht: faul auf dem Sofa liegen, kein Bock aufzustehen und Sport zu machen. Schuld daran ist unser Gehirn, das Energie sparen will.