Die Enthüllungen über die sexuellen Übergriffe von Hollywood-Produzent Harvey Weinstein haben Entsetzen ausgelöst. Menschen auf der ganzen Welt posten unter #MeToo ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Diese Diskussion ist wichtig, weil sie das Problem sichtbar macht, sagt Teresa Bücker von Edition F.

Mit einem Tweet von Alyssa Milano hat es angefangen.

Inzwischen wird nicht mehr nur unter dem Hashtag "MeToo" gepostet. Auch unter #YoTambien teilen Menschen ihre Erfahrungen. Auf Französisch wird unter #balancetonporc debattiert, was auf deutsch #verpfeifdeinschwein ist. Die Liste der Hashtags geht weiter.

Die Hashtags und die vielen Posts zeigen, dass Sexismus ein Riesenthema ist, über das wir viel mehr reden und schreiben sollten. Und zwar so lange, bis sich endlich etwas ändert.

"Die Hashtags sind erstmal wichtig, um Sichtbarkeit zu schaffen für das Problem."
Teresa Bücker, Chefredakteurin EDITION F

Teresa Bücker ist Chefredakteurin und Mitgründerin des Magazins EDITION F. Sie findet, #metoo ist erstmal ein guter Ansatz. Weil er deutlich macht, dass Sexismus ein strukturelles Problem ist. Außerdem haben Betroffenen endlich eine Plattform für ihre Erlebnisse und das Gefühl, mit diesen Erfahrungen nicht alleine zu sein.

Es war einmal: #aufschrei

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Hashtag zu sexualisierter Gewalt viral geht. 2013 löste die Journalistin Anne Witzorek mit #aufschrei eine ähnliche Bewegung aus. Allerdings nur in Deutschland. Anlass waren sexistische Äußerungen des FDP-Politikers Rainer Brüderle gegenüber der Journalistin Laura Himmelreich. 

"Wenn Männer das Verhalten bei sich selbst nicht abstellen, dann kommen wir natürlich nicht weiter."
Teresa Bücker, Chefredakteurin EDITION F

Seit #aufschrei hat sich aber nicht viel getan, sagt Teresa Bücker. Ihr fehlt eine ernsthafte Auseinandersetzung zwischen den Geschlechtern. Sie wünscht sich, dass wir mehr darüber reden, wie sich die Gesellschaft und manche Männern entwickeln können.

"Das muss in Erziehungskonzepte in der Familie und der Schule eingewebt werden, dass wir allen beibringen, Machtverhältnisse oder die eigene Stärke nicht auszunutzen."
Teresa Bücker, Chefredakteurin EDITION F

Das fängt für sie schon bei Kindern an. Mädchen und Jungs würden oft unterschiedlich erzogen, wodurch sich früh Machtstrukturen verfestigen. Teresa Bücker fordert Männer dazu auf, einzuschreiten, wenn sie Zeugen von Sexismus werden. Auch Frauen dürfen natürlich nicht wegschauen.

"Denn erst wenn tatsächlich Konsequenzen spürbar werden, dann ändern sich Leute auch. Und nur Hashtags, das ist einfach nicht genug Druck, um Verhalten zu ändern."
Teresa Bücker, Chefredakteurin EDITION F

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