Ob die Infektionszahlen sinken oder steigen, hängt von vielen Faktoren ab. Ein Faktor, der bisher nicht beachtet wurde: der Pollenflug. Forschende haben dazu nun eine Studie veröffentlicht, die auf einen Zusammenhang zwischen Infektionsraten und Pollenflug hinweist.

Für die neue Studie haben die Forschenden Daten aus der ganzen Welt aus dem Zeitraum von Mitte März vergangenen Jahres bis jetzt ausgewertet. Daten von 250 Messstationen in 31 Ländern sind in die Auswertung mit eingeflossen. Ihr Ergebnis: Stieg an einem Ort die Pollenkonzentration in der Luft an, waren dort vier Tage später auch die Corona-Infektionen höher.

"Wenn irgendwo die Pollenkonzentration in der Luft anstieg, dann stiegen dort vier Tage später auch die Corona-Infektionen."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Forschenden kommen zu folgender Rechnung: Pro 100 Pollen pro Kubikmeter Luft stieg die Infektionsrate um vier Prozent. Derzeit liegt die Pollenkonzentration in vielen Städten aber bei bis zu 500 Pollen pro Kubikmeter. Das würde bedeuten, dass die Infektionsrate an diesen Orten durch den Pollenflug um 20 Prozent steigen könnte.

Auffälliger Zusammenhang

Dass die Forschenden diesen Zusammenhang erkannt haben, muss grundsätzlich noch nicht heißen, dass der Pollenflug wirklich der Auslöser für das gesteigerte Infektionsgeschehen sein muss. Beispielsweise kann auch das schöne Wetter, das den Pollenflug ausgelöst hat, mehr Leute in die Natur gelockt haben. Dadurch haben sich auch mehr Leute getroffen, was auch zu höheren Infektionsraten führen kann.

Außerdem konnte das Forschungsteam feststellen, dass dort, wo die Regierungen einen Lockdown verhängt hatten, die Infektionszahlen gemessen an der Pollenkonzentration nur um die Hälfte angestiegen sind. Diese und andere Einfluss-Faktoren haben die Forschenden allerdings mit in ihre Berechnungen einbezogen, sodass sie am Ende dennoch auf einen auffälligen Zusammenhang zwischen der Pollenkonzentration und den Infektionsraten gestoßen sind.

Nicht nur Allergiker sind betroffen

Auch aus der Medizin gibt es Hinweise, dass Pollen Einfluss auf die Infektionen haben können. Es gibt beispielsweise Studien, die aufzeigen, dass das Immunsystem bei einer hohen Pollenbelastung der Atemluft herunterfährt und somit der Körper nicht sofort auf die Viren reagiert, die sich dann unbemerkt im Körper einnisten könnten. Das gilt für Erkältungsviren wie Rhinoviren, aber eben auch für Sars-CoV-2.

"Es gibt Studien, die nahelegen, dass das Immunsystem bei einer hohen Pollenbelastung in der Atemluft runterfährt. Man könnte sagen, die Alarmanlage des Körpers wird etwas leiser gestellt."
Anne Tepper, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Diese Immunreaktion betrifft laut der Forschenden möglicherweise alle Menschen. Bei Allergikerinnen und Allergikern könnte sie allerdings noch ausgeprägter sein.

Die gute Nachricht: Staubfiltermasken wie FFP2-Masken können zumindest den Pollenansturm auf die Atemwege verkleinern. Da die Pollen sich aber auch auf Klamotten, Haaren und in den Bindehäute der Augen absetzen, empfiehlt es sich für Allergikerinnen und Allergiker zuhause einmal die Klamotten zu wechseln und eine Runde zu duschen.