Die Versicherungsbranche wird von Umweltinitiativen unter Druck gesetzt und will ein sauberes Image. Auch der weltgrößte Rückversicherer Munich Re hat jetzt angekündigt, aus dem klimaschädlichen Kohlegeschäft auszusteigen. Ein vollständiger Rückzug ist das allerdings nicht.

Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re ist ein Megakonzern mit zahlreichen Konzerntöchtern, wie zum Beispiel die Ergo-Versicherungsgruppe, erklärt Jule Reimer aus der Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsredaktion. Zum einen versichert Munich Re andere Versicherungen, die wiederum zum Beispiel Hausbesitzer oder Unternehmer gegen Schäden durch Überschwemmungen, Starkregen, Hurrikans oder Erdbeben absichern. Wenn diese Versicherungen für einen Schaden besonders viel zahlen müssen, sind sie durch einen Rückversicherer wie eben die Munich Re selbst abgesichert.Zum anderen legt Munich Re auch selbst Geld an, um Zinsen zu erwirtschaften oder in andere Unternehmen zu investieren.

Kohleausstieg der Munich Re ist kein Komplettausstieg

Zukünftig nun will der Konzern...

  1. ... keine Kohlekraftwerke oder Kohleminen in Industrieländern mehr versichern. Ausnahmen mit Einzelfallprüfung sind bei Bestandskunden und in Schwellenländern vorgesehen. 
  2. ... nicht mehr in Aktien oder Anleihen von Unternehmen investieren, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle erzielen.  

Beide Ankündigungen haben eine Haken, merkt Jule Reimer an: Erstens würden in Schwellenländern viel mehr Kohlekraftwerke gebaut als in Industrieländern. Selbst in den USA würden mehr Kohlekraftwerke stillgelegt als in Betrieb genommen. Und zweitens investiere der Konzern immer noch in Unternehmen, die weniger als 30 Prozent ihres Umsatzes mit Kohle machen. Zusammengefasst bedeutet das: Der Konzern zieht sich nicht komplett aus dem Geschäft mit der Kohle zurück.

"Die Munich Re steigt nicht vollständig aus dem Geschäft mit der Kohle aus."
Jule Reimer, Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsredaktion

Munich Re hat in der Vergangenheit schon ein Bewusstsein für den Klimawandel gezeigt, räumt Jule Reimer ein. So führt der Konzern beispielsweise seit 1980 eine eigene Datenbank, mit Hilfe derer sie Georisiken analysiert – unabhängig davon, ob die Schäden versichert sind oder nicht. Außerdem habe der Versicherer im Unterschied zu anderen auch schon früh vor dem Klimawandel gewarnt.

Vorwurf der Doppelmoral

Trotz der eigenen Warnungen vor dem Klimawandel ist Munich Re aber bis heute weiter im Kohlegeschäft aktiv geblieben. Zum Beispiel versichert der Rückversicherer über seine Tochter Ergo Hesti Kohlekraftwerke in Polen und ist Rückversicherer des größten polnischen Versicherungskonzerns, der wiederum den Kohlesektor in Polen versichert. Daher sehe sich der Konzern auch dem Vorwurf der Doppelmoral ausgesetzt.

"Ökonomische Gründe und der Wunsch, etwas für unser Klima zu tun, mischen sich bei Munich Re."
Jule Reimer, Deutschlandfunk-Nova-Wirtschaftsredaktion

München Re Nachzügler beim Kohleausstieg

Munich Re ist auch nicht der erste Versicherer, der ankündigt, sich aus dem Kohlegeschäft zurückziehen zu wollen, sagt Jule Reimer. Zum Beispiel die Swiss Re und auch die deutsche Allianz Versicherung seien schon länger in diese Richtung unterwegs. 

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