Blut-, Speichel-, Stuhl- oder Gentests sollen uns sagen, wie wir uns am besten ernähren und wie wir optimal Sport machen, um noch fitter zu werden. Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anita Horn hat sich einige näher angesehen und Experten gefragt, für wen sie geeignet sind.

Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Anita Horn hat sich verschiedene Tests angesehen:

  • Bluttest
  • Speichel- und Stuhltest
  • Gentest

Bluttests

Es gibt verschiedene Anbieter für Bluttests auf dem Markt, Anita hat "myFitness" des Berliner Start-ups Lykon getestet, der stattliche 199 Euro kostet. Das Versprechen: myFitness "Testet und optimiert 14 Blutwerte zu Hause, die für Deine physische und psychische Leistungsfähigkeit, Fitness, Energie und Deinen Sexualtrieb besonders wichtig sind." Getestet werden etwa Blutfettwerte, bestimmte Hormone oder Entzündungsmarker. Mit einem Piekser nimmt Anita sich zuhause selbst Blut ab und schickt die Probe ein. Ein paar Tage später bekommt sie das Ergebnis: Ihr LDL-Cholesterin und der Cortisol-Wert sind erhöht, die restlichen Werte sind optimal.

Im Infotext wird Anita erklärt, dass ein hoher Cortisol-Spiegel Gewichtszunahme oder Muskelverlust verursachen kann. Sie bekommt Tipps, wie sie ihre "Stressquellen beseitigen" und sich gesünder mit Vollkorngerichten ernähren kann. Dafür werden ihr auch Rezepte vorgeschlagen.

Ernährungs- und Fitness-Tipps sind zu allgemein

Isabelle Schiffer promoviert am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln und beschäftigt sich mit langanhaltender Fitness und Gesundheit. Sie bewertet solche Tests kritisch. Denn die Kunden bekämen generalisierte Tipps, die auf sie persönlich vielleicht gar nicht passen.

"Wenn ich ein dickes Steak gegessen habe oder eine Erkältung habe, ist das Ergebnis verfälscht. Das sehe ich kritisch. Und man bekommt generalisierte Tipps, die auf mich persönlich vielleicht nicht zutreffen."
Isabelle Schiffer, Doktorandin am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Als Laie sei es schwierig, diese Tipps richtig einzuschätzen. Zwar ist Anitas "böses" Cholesterin – also das "low density lipoproteins" (LDL) - erhöht, aber ihr Hausarzt beruhigt sie, denn ihr "gutes" Cholesterin – das "high density lipoproteins" (HDL) – ist ebenfalls erhöht. Daraus ergebe sich ein sehr guter Gesamtwert.

Tests sind nur Momentaufnahme

Zudem müsste Anita eigentlich nach der empfohlen Umstellung einen weiteren Test machen, um zu sehen, ob sich etwas verändert hat. Deshalb ist es eigentlich sinnvoller, direkt zu einer Ernährungsberatung zu gehen - Allerdings ist das auch teurer. Dort wird nicht nur ein Bluttest gemacht, sondern auch die Fitness und der Lebensstil ausgewertet, bevor ein Ernährungsplan aufgestellt wird. Die Betreuung findet außerdem über einen längeren Zeitraum statt.

Speichel- und Stuhltests

Mit Speicheltests wie "Leistungssport" von Censa oder Stuhl-und Darmtests etwa von Firmen wie Verisana oder Fairvital könnt ihr euren Hormonspiegel oder eure Darmflora analysieren lassen. Sie kosten zwischen 100 und 300 Euro. Der Personal Trainer Michael Stiller arbeitet mit solchen Tests. Denn wenn man eine verminderte Leistungsfähigkeit habe, können das auch beispielsweise an einer Nahrungsmittelunverträglichkeit liegen, und dann helfe auch kein Sport.

"Wenn mir ein Bakterienstamm fehlt, habe ich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Das sind Sachen, da kann ich noch so viel Sport machen, es wird nichts bringen."
Michael Stiller, Personal Trainer

Eine gesunde Darmflora ist wichtig, um Nahrungsmittel richtig zu verwerten und leistungsfähig zu sein, erklärt Anita. Stellt ein Test eine Nahrungsmittelunverträglichkeit fest, solltet ihr auf jeden Fall zum Arzt gehen. Denn eventuell können eine Diät, Therapie oder Medikamente helfen. Und erst dann kann auch der Personal Trainer einen optimalen Trainingsplan aufstellen.

Gentests

Auch Gentest werden für die Selbstoptimierung angeboten. Institute wie Progenom in Jena und CoGAP in Köln wollen zum Beispiel aus dem Speichel der Testpersonen Informationen darüber gewinnen, zu welchen genetischen Stoffwechsel-Typen sie gehören. Laut CoGap verarbeitet nicht jeder Mensch Nahrung gleich, die einen verstoffwechselten die komplette Energiezufuhr, die anderen lagerten sie ein. Das gleiche gelte beim Sport: Die einen verbrennen bei gleicher sportlicher Aktivität mehr als andere. Wer seine Stoffwechselgene kennt, könne sich gezielter ernähren und das Training optimieren, so das Versprechen.

"Muskeln sind sehr anpassungsfähig und können sich bei jedem Menschen verändern. Und selbst, wenn man schlechte Genetik auf den Weg mitbekommen hat, kann man viel ändern und sehr lange sehr gesund leben."
Isabelle Schiffer, Doktorandin am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Die Fitness- und Gesundheitsforscherin Isabelle Schiffer relativiert aber: Unsere Muskeln passen sich unterschiedlicher Belastung an, erklärt sie, und Menschen, die durch ihre Genetik "benachteiligt" sind, könnten sich darauf einstellen und lange gesund leben.

Anitas Fazit:

  • Wer eine Krankheit hat oder sich generell unwohl fühlt, sollte am besten direkt zum Arzt gehen und nicht lange experimentieren.
  • Wer gesund ist und sich optimieren möchte, dazu aber noch Anregungen braucht und bereit ist, dafür Geld auszugeben, kann aus solchen Tests Motivation ziehen.
  • Letztlich gilt generell die alte Regel: gesund, ausgeglichen und abwechslungsreich ernähren, richtig bewegen, sodass Fitness und Gesundheit positiv beeinflusst werden

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