In Asien gibt es sie schon, in Frankreich bald auch: schwimmende Solarkraftanlagen. Grundsätzlich wäre das auch eine Option für Deutschland, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Konstantin Köhler. 

In Südfrankreich in der Nähe von Montpellier liegt ein alter Steinbruch, der über die Jahre mit Wasser vollgelaufen ist. Genau an diesem Ort wird die Firma Akuo Energy eine schwimmende Solarzellenfläche zu errichten. Ganze 17 Hektar ist diese Fläche groß, das sind etwa 400 mal 400 Meter. 

Damit Solarzellen auf dem Wasser nicht untergehen oder an Land treiben, schwimmen sie auf mit Luft gefüllten Containern, die Bojen ähneln. Zusätzlich werden sie fixiert und wasserfest verkabelt.

"Dass die Solarkraftanlage da bleibt, wo sie hingehört, ist relativ einfach: Sie wird einfach festgemacht mit Ankern oder mit Seilen an Land. "
Konstantin Köhler über die Fixierung von schwimmenden Solarzellen

Vorteile von Solarzellen, die sich in Gewässern befinden

Ein Vorteil der schwimmenden Solarzellenfläche liegt darin, dass bei Platzmangel vom Land aufs Wasser ausgewichen werden kann. Und genau dieser Aspekt spiele sicher in Japan eine Rolle, sagt Konstantin. Außerdem kühlt das Wasser die Solarzellen und dadurch steigert sich der Effizienzgrad der Zellen – gekühlte Solarzellen können im Vergleich zu warmen Solarzellen etwas mehr Strom liefern.

In besonders warmen Regionen spielt auch ein anderer Punkt eine Rolle: Wenn es dort sehr heiß ist, verdunstet zu viel Wasser und ganze Seen können austrocknen. Der Vorgang des Verdunstens könnte durch die schwimmenden Solarzellen reduziert werden, denn diese schützen die Wasseroberfläche vor der Sonne.

Die Nachteile von schwimmenden Solarzellen 

Eine technische Anlage wie das schwimmende Solarkraftwerk ist aber auch ein schwerer Eingriff in das Ökosystem. Vor allem, wenn es eine vielfältige Flora und Fauna im Gewässer gibt. Denn die schwimmende Fläche bietet nicht nur Schutz vor Sonne – es trifft eben auch weniger Licht auf das Wasser und damit auf den Seegrund. Dadurch könnten beispielsweise Pflanzen schlechter wachsen, die Temperatur sinken und der Sauerstoffgehalt des Wassers sich ändern, was wiederum schlecht für die im Gewässer lebenden Tiere wäre.

"Bei manchen Gewässern ist das egal, das wächst sowieso nichts. Das ist totes Wasser sozusagen."
Konstantin Köhler über Vor- und Nachteile von schwimmenden Solarkraftanlagen

Seen mit solchen Anlagen verlieren aber auch an Freizeitwert. Denn durch die schwimmenden Solarzellen haben Anglerinnen, Segler und auch Surferinnen weniger Platz.

Für den Bau von schwimmenden Solarkraftanlagen eignen sich daher besonders Orte, an denen möglichst niemanden gestört wird und keine Gefahr für das Ökosystem besteht. Aufs Wasser sollte nur ausgewichen werden, wenn an Land wirklich kein Platz mehr ist. Und im Idealfall befindet sich auch ein Wasserkraftwerk in der Nähe – dann sind die nötigen Stromleitungen bereits vor Ort.

Schwimmende Solarzellen für Deutschland nur in Einzelfällen interessant

Unser Reporter Konstantin glaubt, dass die schwimmenden Solaranlagen in Deutschland nur in Einzelfällen eine Option darstellen können: In Bayern gibt es bereits eine kleine Ausgabe eines schwimmenden Solarkraftwerkes. So richtig habe das Thema in Deutschland aber niemand auf dem Schirm.

Eine Erklärung: Im Vergleich zu anderen Ländern gibt es in Deutschland genügend Platz – Solarzellen werden an Land und oft auf Hausdächern errichtet. In Japan sieht die Sache anders aus. Dort schwimmen schon Dutzende Solarkraftwerke auf Gewässern.  

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